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Nachhaltig – Wert-Voll – Lokal

Nachhaltige Ernährung (NEST): Erste Forschungsergebnisse vorgestellt

Mit der lokalen Landwirtschaft und Gastronomie erarbeitet Eurac Research Lösungen für eine regionale und ökologische Nahrungsmittelversorgung in Südtirol. Kürzlich wurde Zwischenbilanz gezogen.
Podiumsdiskussion im Rahmen der NEST-Ergebnisvorstellung: (v.l.) Elmar Dorigoni (Rösslwirt, Barbian), Prof. Christian Fischer (Freie Universität Bozen), Bettina Schmid (hgv), Marco Perri (Tschogglerhof, Reischach), Gertraud Aschbacher (Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung Dietenheim), Patrick Jageregger (Südtiroler Köcheverband - SKV) – FOTO: LPA/Eurac
Vom Acker bis ins Gasthaus: So könnte man das Ziel des Projekts NEST – die Gestaltung eines nachhaltigen Ernährungssystems in Südtirol – kurz zusammenfassen. Die vom Land Südtirol geförderte, von Eurac Research koordinierte und von IDM unterstützte Initiative will Wege aufzeigen, wie der gesamte Kreislauf der Erzeugnisse in Südtirol – von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und Logistik bis in die Gastronomie – nachhaltiger gestaltet werden kann. Erste Zwischenergebnisse aus dem Projekt sowie Beispiele und Erfahrungen aus der lokalen Landwirtschaft und Gastronomie wurden am 23. Juni am Eurac-Sitz in Bozen im Beisein von Landeshauptmann Arno Kompatscher sowie Landwirtschafts- und Tourismuslandesrat Arnold Schuler vorgestellt.
Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Die Ergebnisse helfen uns, den Ausbau von Partnerschaften zwischen Landwirtschaft und Tourismus angemessen zu unterstützen.“ – FOTO: LPA/Eurac
Bei Nachhaltigkeit zählt weit mehr als nur der CO2-Fußabdruck
Aufgezeigt wurden die Ergebnisse unter anderem am Beispiel Speckknödel, der stellvertretend für regionale Südtiroler Kost steht. Aber woher kommt das Getreide, aus dem das Brot für den Knödel hergestellt wird? Und stammt der Speck von Südtiroler Schweinen? „Regional“ alleine bedeutet also nicht zwangsläufig auch „nachhaltiger“, erklärten Christian Hoffmann und Thomas Streifeneder, Regionalentwicklungsexperten von Eurac Research. Sie betonen, wie wichtig eine gesamtheitliche Sicht ist. „Ein Produkt aus Südtirol beispielsweise, das lange gekühlt gelagert wird, kann eine schlechtere Ökobilanz aufweisen als ein frisch geerntetes Produkt, das von weit her nach Südtirol transportiert wird. Die Nachhaltigkeit der Bilanz würde aber wiederum kippen, wenn Arbeitende in der Erzeugerregion nicht leistungsgerecht entlohnt werden“, sagte Streifeneder, Leiter des Instituts für Regionalentwicklung von Eurac Research. Will man die Nachhaltigkeit eines Ernährungssystems beurteilen, geht es also nicht nur um den CO2 -Fußabdruck, sondern auch um andere ökologische sowie um soziale und ökonomische Gesichtspunkte.
Erste Ergebnisse: Kaum Eigenversorgung bei Getreide und Geflügelfleisch
Alle diese Faktoren beleuchtet das Forschungsteam deshalb im Projekt NEST für Südtirol. Eine wichtige Frage dabei: Wie weit ist Südtirol bei seiner eigenen Versorgung oder anders gefragt, welche Lebensmittel decken wir mit eigener Produktion in welchem Umfang bei einer ausgewogenen Ernährung ab? Denn auch das ist ein Kriterium für Nachhaltigkeit. Wie der erste Projektbericht nachzeichnet, ist besonders auffallend, wie wenig Getreide und Geflügelfleisch in Südtirol produziert wird: Die aktuelle Geflügelfleischproduktion deckt weniger als 0,5 Prozent des empfohlenen Bedarfs. Bei der Getreideproduktion werden weniger als zwei Prozent des Bedarfs gedeckt. „Angebaut wird Getreide in Südtirol auf einer Fläche von nur 221 Hektar. Dabei war Südtirol früher einmal ein bekanntes Anbaugebiet für Getreide“, berichtete Christian Hoffmann. „Potenzielle landwirtschaftliche Nutzflächen mit Neigungen unter 20 Prozent, die für den Getreideanbau geeignet wären, werden heute jedoch für Weide- und Grünlandflächen und in den Tallagen im Vinschgau, Etschtal und Unterland vor allem für den Obstanbau verwendet.“ Die dort auf 18.033 Hektar intensiv kultivierten Äpfel gehören zu den wichtigsten Exportprodukten Südtirols.
Praxisbeispiele: Zusammenarbeit Landwirtschaft-Gastronomie ausbaubar
„Setzt man als Gastronom vorwiegend auf regionale Küche, muss man manchmal Abstriche machen: Lokale Produkte sind nämlich in ihrer Vielfalt begrenzt und nicht jederzeit verfügbar“, berichtet Elmar Dorigoni vom Rösslwirt in Barbian. Er bringt seit einigen Jahren den Barbianer Hornochs auf den Teller – das Fleisch liefert ein junger Landwirt aus der Nachbarschaft. „Um eine abwechslungsreiche Kost anzubieten, habe ich lernen müssen, auch andere Teile des Ochsenfleisches zu verarbeiten. Den etwas höheren Preis für fair produzierte, regionale Produkte zahlen insbesondere einheimische Gäste gerne, weil auch sie sich mit diesen Lebensmitteln besser identifizieren können“, so Dorigoni.
Dass hinsichtlich der Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Gastronomie auch in Zukunft noch viel zu tun sein wird, davon zeigt sich Gertraud Aschbacher von der Fachschule für Landwirtschaft in Dietenheim überzeugt. „Junge Menschen haben ein ganz neues Bewusstsein für nachhaltige Lebensmittel aus Südtirol. Häufig setzen die angehenden Landwirtinnen und Landwirte bereits während der Schulzeit ihre Ideen um und beliefern Gastronomiebetriebe mit selbst angebauten Gemüsesorten oder produzieren ihren eigenen Käse“, so die Direktorin der Fachschule.
Nachhaltiges Denken und Arbeiten vorleben
Der Koch ist entscheidend dafür, was in der Küche passiert. Das hängt mit den Erwartungen, der Zeit und dem Alter des Kochs zusammen. Je jünger – desto experimentierfreudiger sind die Kollegen häufig. Es hat sich hier in der Vergangenheit viel getan. Nach einer kleinen Depression in der Ausbildung finden heute wieder viele Junge Gefallen daran, die Ausbildung zum Koch zu durchlaufen. Denn der Beruf bietet die Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten. Die angehenden Jungköchinnen und Jungköche denken nachhaltig und arbeiten in Richtung Regionalität. Voraussetzung ist allerdings, dass man als Küchenchef und auch als Lehrer dieses Thema gegenüber den angehenden Köchen vorlebt. Die Küchenchefs und Lehrer nehmen hier die entscheidende Multiplikator-Funktion ein.
Regionalität, Kreativität und Innovation haben dabei einen hohen Stellenwert.
Die Synergien zwischen Landwirtschaft und Gastronomie sind zu spüren. Die Jungen bringen, wie von ihren Ausbildern vorgelebt, die Sensibilität für die Kooperation mit der Landwirtschaft mit. Sie sind sich bewusst, dass die Landwirte auch viel zum Tourismus beitragen. „Man muss gemeinsam in die Zukunft gehen. Der Speckknödel, als typisches Südtiroler Produkt, kann dabei zum Medium werden, die Gäste über die Zutaten des Speckknödels für das Thema Regionalität zu sensibilisieren und zu erziehen“, so KM Patrick Jageregger, Fachgruppenleiter und Fachlehrer für Kochen an der Landesberufsschule Hellenstainer in Brixen und Präsident des Südtiroler Köcheverbandes - SKV.
LPA/red

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Diplomierte/r Diätköchin/Diätkoch – Start am 3. Oktober 2023

Gut geschult in die Zukunft

Bereits im Herbst vergangenen Jahres konnten wir erfolgreich den ersten Lehrgang zum/r Diätetisch geschulten Koch/Köchin DGE abhalten. In beiden Lehrgängen haben wir Erneuerungen und Verbesserungen vorgenommen.
Archivbild aus dem letzten Lehrgang, einige der Teilnehmer mit Kochfachlehrer KM Sigmar Pardeller
Koordinator des Lehrgangs Kochfachlehrer KM Andreas Köhne
Seit dem letzten Lehrgang werden die Unterrichtseinheiten wie folgt angeboten: An zwei Abenden von 18 bis ca. 21 werden Lerneinheiten verschiedener Fächer über Online-/Fernunterricht angeboten. Freitag und Samstag gibt es ganztägigen Präsenzunterricht. Der Diplomierte Diätkoch wird zukünftig in das Landesverzeichnis der Abschlusstitel des Bildungssystems und der beruflichen Qualifikationen aufgenommen. Ziel ist es, diesen Titel im Europäischen Qualifikationsrahmen auf die Stufe 5 einzugliedern. Der Titel wird dann gleichgestellt mit der Matura, dem IT-Spezialisten und dem Geprüften Servicetechniker, d. h. der Lehrgang wird weiter aufgewertet.
Dass der Lehrgang immer wichtiger wird, liegt auch an der Berufstitelanerkennung für die/den Diätetisch geschulte/n Koch/Köchin und Diplomierte/n Diätkoch/-köchin. Das heißt diese beiden Titel sind Vorzugstitel bei öffentlichen Stellenausschreibungen. Auch in der Hotellerie und Gastronomie sind die Anforderungen und die damit verbundene Verantwortung an den Koch bzw. die Köchin gestiegen. Immer mehr Fachwissen in Bezug auf Unverträglichkeiten, Allergien, Diabetes mellitus, leichte Vollkost, vegetarische Kost ist gefragt. Auch der Stellenwert und erhöhte Qualitätsanspruch in den Krankenhäusern, Altersheimen, Kindergärten hat zugenommen. Der Patient bzw. Bewohner möchte neben der ärztlichen Betreuung auch ein gutes und vollwertiges Essen. Dies unterstützt bekanntlich ja auch den Genesungsprozess.
Unter der fachkundigen Leitung der Oberärztin Dr. Verena Morandell, die in einem Ärzteteam tätig ist, Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungstherapeutin Anna Weger, Ernährungswissenschaftlerin Dr. Barbara Telser sowie den beiden Küchenmeistern und Diplomierten Diätköchen Andreas Köhne und Sigmar Pazeller, können die Teilnehmer:innen ihre Ausbildung am Kaiserhof in Meran absolvieren. Die langjährigen Erfahrungen der Referenten und Ärzte werden in den Unterricht sehr praxisorientiert eingebracht, indem u. a. eine richtige Zusammenstellung und Zubereitung ernährungsbewusster, aber auch attraktiver, wohlschmeckender Speisen und Diätkostformen im praktischen Unterricht vermittelt werden. Es wird aufgezeigt, dass gesunde Ernährung und eine bewusste Diät auch schmecken können.
Mehr denn je ist es ein Wunsch der Menschen, durch bewusste Ernährung Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Bewusste Ernährung und Diätspeisen sollen unseren Körper nicht nur heilen, im Vordergrund steht natürlich, dass das Essen schmecken muss. Ernährungsbewusste Küche und Diät soll und kann ebenso wohlschmeckend wie die traditionelle Küche sein. Hier geht es nicht darum, den Menschen von heute auf morgen auf eine ganz „ungewöhnliche Kost“ umzustellen, sondern durch Modifikation traditioneller Gerichte und Kochtechniken eine ernährungsbewusstere Form der Speisen zu erlangen. Der Köchin und dem Koch fällt somit eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe zu. Um das Speisenangebot für Diätbedürftige und Ernährungsbewusste kreativ und fantasievoll zu gestalten, benötigen die Zubereitenden jedoch das notwendige Spezialwissen.
Es sind noch wenige Plätze frei für den Lehrgang zum Diplomierten Diätkoch 2023!
Der nächste Ausbildungslehrgang zum Diätetisch geschulten Koch ist für den Herbst 2024 an der Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ in Meran geplant.
Informationen können direkt im Schulsekretariat bei Gertrud Duregger unter der Telefonnummer 0473 203 200 oder -205 eingeholt werden.
LHF Kaiserhof