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Gemeinsam unterwegs. Seit 30 Jahren

Von Südtirol bis ins Elsass, vom Bodensee bis nach Rom: Die traditionellen Herbstausflüge des SKV verbinden seit drei Jahrzehnten kulinarische Entdeckungen, Weiterbildung und gelebte Gemeinschaft.
Manchmal braucht es nur einen gemeinsamen Aufbruch, um neue Perspektiven zu gewinnen. Ein früher Treffpunkt, ein Reisebus voller Köchinnen und Köche, interessante Gespräche und die Vorfreude auf das, was der Tag bringen wird. So oder ähnlich beginnen seit mittlerweile 30 Jahren die traditionellen Herbstausflüge des Südtiroler Köcheverbandes - SKV. Und auch wenn sich die Reiseziele im Laufe der Jahrzehnte verändert haben, ist eines geblieben: die Freude daran, gemeinsam unterwegs zu sein.
Was 1996 mit einer Tagesfahrt ins Tannheimer Tal begann, entwickelte sich zu einer festen Tradition im Verbandsjahr. Aus eintägigen Ausflügen wurden Lehrfahrten, kulinarische Entdeckungsreisen und mehrtägige Studienfahrten. Die Wege führten durch Südtirol, nach Bayern, Salzburg und in die Steiermark, an den Bodensee, ins Piemont und ins Elsass, nach Rom, Triest und in die Schweiz.
Jede dieser Reisen hatte ihren eigenen Charakter. Mal standen traditionelle Handwerksbetriebe und regionale Produzentinnen und Produzenten im Mittelpunkt, mal besondere gastronomische Konzepte, Weinbau, Landwirtschaft oder kulturelle Sehenswürdigkeiten. Immer aber ging es darum, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und die kulinarische Identität anderer Regionen kennenzulernen.
Die schönsten Erinnerungen reisen mit
Wer gemeinsam unterwegs ist, nimmt mehr mit nach Hause als neue Rezeptideen oder fachliche Erkenntnisse. Es sind die Begegnungen mit Produzenten, die Geschichten hinter besonderen Lebensmitteln, die Gespräche unter Berufskolleginnen und -kollegen und nicht zuletzt jene gemeinsamen Stunden, an die man sich noch Jahre später gerne erinnert.
Gerade darin liegt der besondere Wert der SKV-Herbstausflüge. Sie schaffen Raum für einen Austausch, der im oft hektischen Küchenalltag zu kurz kommt. Erfahrene Köchinnen und Köche treffen auf jüngere Berufskollegen, bestehende Freundschaften werden gepflegt und neue Kontakte geknüpft. Fachliches Interesse und Geselligkeit gehen dabei seit jeher Hand in Hand.
Ein Besuch beim Produzenten, ein Blick hinter die Kulissen eines gastronomischen Betriebes oder die Entdeckung einer regionalen Spezialität liefern neue Anregungen. Und spätestens beim gemeinsamen Essen wird aus einer interessanten Lehrfahrt ein Erlebnis, das verbindet.
Eine Tradition, die lebendig bleibt
Auch die jüngeren Reisen zeigen, wie vielfältig diese Tradition geblieben ist. Nach der Studienfahrt nach Rom 2021 folgten die Schweiz, Triest mit Einblicken in die Welt des Olivenöls, der Tegernsee sowie 2025 die Genussreise unter dem Motto „Tradition und Terroir“ nach Parma und Verona. Im Jubiläumsjahr 2026 führt der gemeinsame Ausflug nach Vorarlberg und Bregenz.
Drei Jahrzehnte nach der ersten Fahrt sind die Herbstausflüge damit weit mehr als ein fixer Termin im SKV-Jahreskalender. Sie sind ein Stück Verbandsgeschichte, getragen von Menschen, die ihre Leidenschaft für die Kochkunst teilen und neugierig geblieben sind.
Denn wer gemeinsam reist, entdeckt nicht nur neue Orte, Produkte und Geschmack. Er lernt auch die Menschen hinter unserem Beruf immer wieder von einer anderen Seite kennen.
30 Jahre, zahlreiche Reiseziele und unzählige gemeinsame Erinnerungen. Die schönste Erkenntnis daraus: Es gibt noch viel zu entdecken – und gemeinsam macht es einfach mehr Freude.
Chronik der dokumentierten Reisen von 1996 bis 2026
1996 Tagesfahrt ins Tannheimer Tal
1999 Kulinarische Entdeckungsreise in Südtirol
2000 Kulinarische Tagesfahrt durch Südtirol
2001 Bodensee
2002 Castelvetro und Gardasee
2003 Bayern und Tegernsee
2004 Kempten im Allgäu
2005 Isola della Scala und Verona
2006 Elsass
2007 Salzburg
2008 München
2009 Steiermark2010 Vorarlberg Schweiz und Bodensee
2011 Piemont
2012 Osttirol
2014 Salzburg
2015 München
2016 Augsburg
2017 Emilia-Romagna und Venetien
2018 Seefeld und Innsbruck
2019 Ingolstadt
2021 Rom
2022 Schweiz
2023 Triest
2024 Tegernsee
2025 Parma und Verona
2026 Vorarlberg und Bregenz
KM Roland Schöpf
SKV-Vizepräsident

Kochkunde

Nicht alles was glänzt, ist Jus

Wenn plötzlich jede braune Sauce einen französischen Namen trägt
FOTO: Evelina Wong - Unsplash
Wenn es ein Tagesschautitel wäre, dann wäre er in etwa so: Die Bratensauce ist ausgestorben und keiner hats gemerkt. Denn es gibt in unseren Küchen ein erstaunliches Phänomen: Kaum ist eine Sauce braun, glänzt ein wenig und landet neben einem Stück Fleisch, wird sie zum Jus erklärt. Kalbsjus, Rinderjus, Lammjus – Hauptsache, es klingt französisch. Dass zwischen Jus, Demi-glace und Bratensauce Unterschiede bestehen, gerät dabei regelmäßig in Vergessenheit.
Jus – mehr als ein Etikett
Jus heißt zunächst nichts anderes als „Saft“. Der Unterschied zur Bratensauce liegt in der Absicht: Eine Bratensauce entsteht nebenbei aus dem, was in der Pfanne bleibt. Ein Jus wird eigens angesetzt, aus gerösteten Knochen und Abschnitten, und so lange reduziert, bis er von selbst glänzt. Den Glanz liefert die Gelatine aus den Knochen, nicht der Tonfall, in dem man das Wort ausspricht. Stärke darf nachhelfen, dann heißt er Jus lié. Einen schwachen Fond verwandelt sie trotzdem nicht in einen Jus.
Demi-glace – mit Mehl, ob man will oder nicht
Noch komplizierter wird es bei der Demi-glace, die heute gern mit der Ehrfurcht eines Grand Cru ausgesprochen wird. Klassisch ist sie eine vollendete Sauce espagnole, Escoffier beschreibt sie 1903 in seinem „Guide culinaire“ als Espagnole auf dem Gipfel ihrer Perfektion vom Feuer genommen mit trockenem Madeira verfeinert. Gebunden wird diese Espagnole mit brauner Mehlschwitze. Ja, mit Mehl. Wer jetzt empört „Meine Demi-glace ist mehlfrei!“ ruft, sollte seine alten Fachbücher aufschlagen.
Allerdings mit Vorsicht, denn dort wartet eine Überraschung. Ausgerechnet Escoffier schreibt im selben Buch, die Espagnole werde „immer mehr an Bedeutung verlieren“. Geröstetes Mehl mache die Sauce bitter und schwer zu klären, reine Stärke werde es im Roux ersetzen. Sein Rezept für braunen Kalbsfond überschreibt er obendrein mit „Fonds ou Jus de veau brun“. Selbst der Meister nahm es mit den Begriffen also nicht ganz genau. Nur hat bei ihm die Sauce den Namen verdient, nicht umgekehrt.
Moderne Küche, alte Begriffe
Heute heißt meist der stark reduzierte, mehlfreie braune Fond Demi-glace. Damit kann man leben. Bedenklich wird es erst, wenn der Name mehr Arbeit gekostet hat als die Sauce.
Und ganz nebenbei: Eine gute Bratensauce wird nicht besser, nur weil wir sie Jus nennen. Sie hätte es auch nicht nötig.
pj