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Menschen & Geschichten

Zwischen Burgmauern und Bergküche

Tina Marcelli schlägt auf Burg Taufers ein neues Kapitel auf – und bringt Südtirols Produkte gemeinsam mit Andreas Schinharl auch ins Fernsehen.
Genuss mit Geschichte: stilvoll tafeln in einzigartiger historischer Atmosphäre. – FOTO: Kim Marcelli
Es gibt Orte, die bereits eine Geschichte erzählen, bevor der erste Teller serviert wird. Burg Taufers ist ein solcher Ort. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Tina Marcelli hier ein neues kulinarisches Kapitel aufschlägt. Wer sie kennt, weiß um ihre besondere Begeisterung für alte Gemäuer – einmal erzählte sie mir mit einem Lächeln, sie sei regelrecht vernarrt in Burgen. Nun ist eine davon tatsächlich zu ihrem neuen Arbeitsplatz geworden.
Tina Marcelli, zwischen Burgmauern und Bergküche – FOTO: ANUS Productions
Seit Kurzem hat Tina Marcelli die Ritterschänke auf Burg Taufers übernommen. Für die vielfach ausgezeichnete Köchin ist es ein neuer beruflicher Abschnitt – und gleichzeitig einer, der erstaunlich gut zu ihrem bisherigen Weg passt. Regionalität, heimische Produzenten und die kulinarischen Schätze der Südtiroler Bergwelt begleiten ihre Arbeit seit Jahren. In der Ritterschänke bekommen diese Themen nun eine außergewöhnliche Bühne: Historische Burgmauern treffen auf eine Küche, die ihre Herkunft kennt, ohne in der Vergangenheit stehen zu bleiben.
Bis ins Fernsehen und zurück
Dass Tina Marcelli ihre Heimat und deren Produkte mit Begeisterung nach außen trägt, war in den vergangenen Monaten auch für das Fernsehpublikum zu sehen. Gleich zweimal stand sie gemeinsam mit Andreas Schinharl für „Abenteuer Leben“ (Kabel Eins) vor der Kamera. Den Küchenchef von Feinkost Käfer in München und Tina verbindet eine langjährige Freundschaft – und offensichtlich auch die gemeinsame Neugier für gute Produkte.
Bei den Dreharbeiten ging es nicht um große Inszenierungen, sondern um das, was Südtirols Küche im Kern ausmacht: Produkte, Menschen, Herkunft und Geschmack. Vom Käsefestival in Sand in Taufers bis hin zu Graukäse und besonderen Almprodukten führte die gemeinsame kulinarische Spur durch das Tal. Beim jüngsten TV-Abenteuer bekam Schinharl sogar die Aufgabe, mit ausgewählten Südtiroler Almprodukten Gerichte zu entwickeln, die Tina überzeugen sollten.
Fernsehkameras, Almprodukte und eine jahrhundertealte Burg – auf den ersten Blick drei sehr unterschiedliche Welten. Bei Tina Marcelli verbindet sie ein gemeinsamer Gedanke: Aus dem, was die Heimat bietet, eine Küche mit eigener Handschrift entstehen zu lassen.
Wie fühlt es sich an, an einem Ort wie Burg Taufers gastronomisch Verantwortung zu übernehmen? Welche Küche passt hinter historische Burgmauern?
Wir haben bei Tina Marcelli nachgefragt.
Im Gespräch mit Tina Marcelli
SKV: Was hat dich an der Ritterschänke auf Burg Taufers gereizt – und welche kulinarische Idee möchtest du dort verwirklichen?
Tina Marcelli: Die Burg hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Man spürt die Geschichte, und gleichzeitig ist sie ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Mich hat die Möglichkeit gereizt, diesen besonderen Platz mit einer ehrlichen Südtiroler Küche zu verbinden. In der Ritterschänke möchte ich Gerichte anbieten, die zu unserer Heimat und zu diesem Ort passen: vertraute Geschmäcker, gute regionale Produkte und mit Liebe gekochtes Essen. Die Gäste sollen sich wohlfühlen – ob sie nach einer Burgbesichtigung einkehren oder bewusst zum Essen zu uns kommen.
Wie greifst du die Tradition auf dem Teller auf, ohne dass die Küche rückwärtsgewandt wirkt?
Für mich ist Tradition etwas Lebendiges. Ich nehme vertraute Gerichte und Geschmäcker als Ausgangspunkt und bringe meine eigene Handschrift ein – durch die Zubereitung, die Kombination der Zutaten oder eine etwas leichtere Interpretation. Ein Gericht darf Erinnerungen wecken und trotzdem etwas Neues erzählen. Entscheidend ist, dass der Geschmack und der Charakter der Produkte erhalten bleiben.
Wie kam es zu „Abenteuer Leben“, und was hat dich daran gereizt?
Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, Südtirol über seine Küche zu zeigen. Wir haben hier wunderbare Produkte und Menschen, die mit viel Wissen und Leidenschaft dahinterstehen. Im Fernsehen kann man ihre Geschichten erzählen und sichtbar machen, wie viel Arbeit in einem Lebensmittel steckt. Dazu kommt die Freude am gemeinsamen Kochen mit Andreas. Es ist spannend, unterschiedliche Ideen zusammenzubringen und sich dabei gegenseitig zu inspirieren.
Was war dir wichtig, als du mit Andreas Schinharl Südtirol und seine Produzentinnen und Produzenten präsentiert hast?
Mir war wichtig, dass auch die Menschen hinter den Produkten im Mittelpunkt stehen. Ohne ihre tägliche Arbeit gäbe es vieles nicht, was unsere Küche ausmacht. Ich wollte zeigen, wie eng bei uns Landschaft, Handwerk und Essen zusammengehören. Dabei geht es auch um Wertschätzung: für die Qualität, für das Wissen und für die Traditionen, die oft über Generationen weitergegeben werden.
Was macht einfache Produkte wie Graukäse und Almprodukte für dich kulinarisch spannend?
Diese Produkte haben einen eigenen Charakter. Graukäse zum Beispiel bringt einen unverwechselbaren Geschmack mit und ist eng mit unserer Heimat verbunden. Gerade bei wenigen Zutaten muss man genau hinschauen: Wie ist die Konsistenz? Wie viel Säure braucht es? Was ergänzt den Geschmack? Mich begeistert, wie aus einem einfachen Produkt durch eine passende Kombination ein besonderes Gericht entstehen kann.
Was macht bei all deinen Projekten den Kern deiner Küche aus?
Der Kern bleibt für mich derselbe: die Liebe zum Kochen, der Respekt vor dem Lebensmittel und die Freude daran, Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen. Ob in der Kochschule, bei einer Veranstaltung oder in der Ritterschänke – ich möchte eine Küche vermitteln, die verständlich ist und Persönlichkeit hat. Dazu gehört auch das Miteinander. Meine Frau Kim und unser Team tragen sehr viel dazu bei, dass wir unsere Ideen umsetzen können. Gemeinsam können wir etwas schaffen, das einer allein nicht schaffen würde.
In welche Richtung möchtest du dein Küche in den nächsten Jahren führen?
Ich möchte meine eigene Handschrift weiterentwickeln und mich noch intensiver mit regionalen und saisonalen Produkten beschäftigen. Auch die vollständige und bewusste Verwendung von Lebensmitteln ist mir wichtig. Gleichzeitig möchte ich mein Wissen weitergeben und Menschen zum Kochen ermutigen. Meine Küche soll neugierig bleiben, sich weiterentwickeln und dabei die Verbindung zu unserer Heimat behalten.
pj

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9. Ahrntaler Graukäsetage

Ein Käse mit Ecken, Kanten und Charakter

Tradition, Handwerk und kreative Kochkunst rund um eine der ursprünglichsten Spezialitäten Südtirols.
Tradition traf Kochkunst mit Martin Pircher als Vorsitzenden der Jury. – FOTO: Martin Zimmerhofer
Vom 5. bis 20. September 2026 drehte sich im Ahrntal alles um einen Käse, der sich nicht verbiegen lässt: den Ahrntaler Graukäse. Unter dem Motto „Teldrarisch zu Tisch“ rückten die 9. Ahrntaler Graukäsetage eine Spezialität in den Mittelpunkt, die für gelebte Tradition, handwerkliches Können und unverwechselbaren Geschmack steht.
Der letzten Feinschliff des Desserts. Tina Marcelli sorgte mit einer raffinierten Komposition aus Schokolade, Preiselbeere und Graukäse für den süßen Abschluss. – FOTO: Martin Zimmerhofer
Zwölf Gastronomiebetriebe beteiligten sich an den Aktionstagen und zeigten, dass der Graukäse weit mehr kann als seine klassische Rolle in der traditionellen Küche. Als Slow-Food-Presidio ausgezeichnet, wird er aus entrahmter Sauermilch und ohne Lab hergestellt. Sein charakteristisches Aroma macht ihn zu einer besonderen Zutat, die Köchinnen und Köche immer wieder zu neuen Interpretationen inspiriert. Neben den kulinarischen Angeboten in den teilnehmenden Betrieben bot das Rahmenprogramm zahlreiche Gelegenheiten, das Produkt und seine Herkunft näher kennenzulernen. Auf dem Programm stand unter anderem ein Kochkurs mit Tina Marcelli, eine Käse- und Bierverkostung sowie Besuche bei regionalen Produzenten.
Fünf Gänge, ein außergewöhnliches Produkt
Einen besonderen Höhepunkt bildete das Abschlussmenü am 19. September in Steinhaus. Fünf kulinarische Handschriften zeigten dabei die Vielseitigkeit des Graukäses: Markus Mair am Tinkhof eröffnete mit einem Kalbskopf-Sellerietörtchen, Breatl-Panade, Trüffel und Graukäseespuma. Andrea Federa servierte ein Graukäserisotto mit Speck, während Klara Leimegger Wasserer eine gebackene Graukäsepraline mit Zwiebelchutney und Kresse präsentierte. Herbert Hintner interpretierte den Klassiker Cordon bleu neu – mit Aubergine, Graukäse und Tomate. Den süßen Abschluss gestaltete das Team um Tina Marcelli mit einer Komposition aus Schokolade, Preiselbeere und Graukäse.
Die Graukäsetage machten damit einmal mehr deutlich, dass die Zukunft unserer regionalen Küche auch in der bewussten Weiterentwicklung ihrer Wurzeln liegt. Wo Produzenten und Gastronomie zusammenarbeiten, wird aus einem traditionellen Lebensmittel ein Botschafter für Herkunft, Identität und zeitgemäße Kochkunst.
pj