Aktuell
Nachgefragt | Euroskills
Wenn jeder Handgriff zählt
Was sieht ein Juror, was anderen verborgen bleibt? Christian Pircher Verdorfer über Bewertung, Präzision und den Blick hinter die Kulissen von EuroSkills.

Christian Pircher Verdorfer – FOTO: Emi Massmer Emotions
Bei einem Kochwettbewerb sieht das Publikum am Ende vor allem eines: den fertigen Teller. Für die Jury beginnt die Bewertung jedoch lange davor. Arbeitsweise, Organisation, Hygiene, Technik, Umgang mit den Produkten und Zeitmanagement gehören ebenso zum Wettbewerb wie Geschmack und Präsentation.
Wie wir in den letzten Ausgaben des Magazins berichtet haben, geht bei den italienischen EuroSkills-Qualifikationen in Turin Max Tauber vom Hotel Castel Fragsburg in Meran für Südtirol an den Start. Sein Ziel: sich für die EuroSkills 2027 in Düsseldorf zu qualifizieren. Begleitet wird der Wettbewerb unter anderem von Christian Pircher Verdorfer, der in Vergangenheit bereits bei den WorldSkills als Juror agierte und jetzt für den Südtiroler Köcheverband - SKV bei den EuroSkills Qualifikationen in Turin dabei sein wird.
Damit wechseln wir bewusst die Perspektive: vom jungen Koch am Wettbewerbsherd auf die andere Seite, zur Jury. Denn während die Kandidatinnen und Kandidaten unter Zeitdruck um jeden Punkt kämpfen, müssen die Juroren genau beobachten, vergleichen und nach klar definierten Kriterien bewerten.
Doch worauf kommt es dabei an? Welche Details können den Unterschied machen? Und was passiert bei EuroSkills hinter den Kulissen, was Zuschauerinnen und Zuschauer normalerweise nicht mitbekommen?
Wir haben beim langjährigen Juror Christian Pircher Verdorfer nachgefragt.
Wie wir in den letzten Ausgaben des Magazins berichtet haben, geht bei den italienischen EuroSkills-Qualifikationen in Turin Max Tauber vom Hotel Castel Fragsburg in Meran für Südtirol an den Start. Sein Ziel: sich für die EuroSkills 2027 in Düsseldorf zu qualifizieren. Begleitet wird der Wettbewerb unter anderem von Christian Pircher Verdorfer, der in Vergangenheit bereits bei den WorldSkills als Juror agierte und jetzt für den Südtiroler Köcheverband - SKV bei den EuroSkills Qualifikationen in Turin dabei sein wird.
Damit wechseln wir bewusst die Perspektive: vom jungen Koch am Wettbewerbsherd auf die andere Seite, zur Jury. Denn während die Kandidatinnen und Kandidaten unter Zeitdruck um jeden Punkt kämpfen, müssen die Juroren genau beobachten, vergleichen und nach klar definierten Kriterien bewerten.
Doch worauf kommt es dabei an? Welche Details können den Unterschied machen? Und was passiert bei EuroSkills hinter den Kulissen, was Zuschauerinnen und Zuschauer normalerweise nicht mitbekommen?
Wir haben beim langjährigen Juror Christian Pircher Verdorfer nachgefragt.
Im Gespräch mit Christian Pircher Verdorfer
SKV: Christian, ein Gast beurteilt am Ende vor allem das, was auf dem Teller liegt. Worauf schaut ein EuroSkills-Juror bereits während des Kochens?
Christian Pircher Verdorfer: Als Juror schaut man natürlich nicht nur auf das fertige Gericht. Eigentlich beginnt die Bewertung schon viel früher. Wie organisiert arbeitet jemand? Wie sauber und strukturiert ist der Arbeitsplatz? Wie werden Lebensmittel behandelt, wie sicher sind die Handgriffe und wie gut wird die Zeit eingeteilt?
Man sieht während des Kochens sehr schnell, ob jemand einen klaren Plan hat oder ständig reagieren und improvisieren muss. Auch Technik und handwerkliche Präzision spielen eine große Rolle. Das fertige Gericht ist am Ende entscheidend, aber der Weg dorthin verrät sehr viel über das Können eines Kochs.
Man sieht während des Kochens sehr schnell, ob jemand einen klaren Plan hat oder ständig reagieren und improvisieren muss. Auch Technik und handwerkliche Präzision spielen eine große Rolle. Das fertige Gericht ist am Ende entscheidend, aber der Weg dorthin verrät sehr viel über das Können eines Kochs.
Bei einem Wettbewerb können kleinste Details über Punkte entscheiden. Was unterscheidet aus deiner Sicht eine gute Leistung von einer starken Wettbewerbsleistung?
Eine gute Leistung bedeutet für mich, dass das Handwerk stimmt und am Ende ein sehr gutes Gericht entsteht. Eine starke Wettbewerbsleistung geht noch einen Schritt weiter: Da passt alles zusammen.
Die Abläufe sind ruhig und präzise, die Zeit wird perfekt genutzt, die Techniken sitzen und trotzdem bleibt noch Raum für Geschmack, Persönlichkeit und eine eigene Idee. Gerade unter Wettbewerbsdruck ist das nicht selbstverständlich.
Am Ende entscheiden oft tatsächlich Kleinigkeiten: ein perfekter Garpunkt, die Temperatur beim Anrichten, eine Sauce, die genau die richtige Konsistenz hat oder die Präzision auf dem Teller. Auf diesem Niveau können solche Details den Unterschied machen.
Die Abläufe sind ruhig und präzise, die Zeit wird perfekt genutzt, die Techniken sitzen und trotzdem bleibt noch Raum für Geschmack, Persönlichkeit und eine eigene Idee. Gerade unter Wettbewerbsdruck ist das nicht selbstverständlich.
Am Ende entscheiden oft tatsächlich Kleinigkeiten: ein perfekter Garpunkt, die Temperatur beim Anrichten, eine Sauce, die genau die richtige Konsistenz hat oder die Präzision auf dem Teller. Auf diesem Niveau können solche Details den Unterschied machen.
Vieles von EuroSkills bekommt das Publikum gar nicht mit. Was passiert hinter den Kulissen – und was überrascht jemanden, der einen solchen Wettbewerb nur von außen kennt?
Von außen sieht man vor allem junge Köchinnen und Köche, die konzentriert an ihren Stationen arbeiten. Hinter den Kulissen steckt aber enorm viel Vorbereitung und Organisation.
Die Aufgaben müssen sehr genau definiert werden, die Bewertung muss für alle Teilnehmer:innen fair und nachvollziehbar sein, und die Jury stimmt sich ständig ab. Wir diskutieren Details, vergleichen Ergebnisse und achten darauf, dass wirklich nach denselben Kriterien bewertet wird.
Was viele wahrscheinlich überrascht: Als Juror muss man extrem konzentriert sein. Man beobachtet über Stunden sehr genau und muss gleichzeitig objektiv bleiben. Und trotz des Wettbewerbs ist die Atmosphäre oft sehr kollegial. Man merkt, wie viel Leidenschaft und Respekt für den Beruf dahinterstecken – sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Experten.
pj
Die Aufgaben müssen sehr genau definiert werden, die Bewertung muss für alle Teilnehmer:innen fair und nachvollziehbar sein, und die Jury stimmt sich ständig ab. Wir diskutieren Details, vergleichen Ergebnisse und achten darauf, dass wirklich nach denselben Kriterien bewertet wird.
Was viele wahrscheinlich überrascht: Als Juror muss man extrem konzentriert sein. Man beobachtet über Stunden sehr genau und muss gleichzeitig objektiv bleiben. Und trotz des Wettbewerbs ist die Atmosphäre oft sehr kollegial. Man merkt, wie viel Leidenschaft und Respekt für den Beruf dahinterstecken – sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Experten.
pj

