Liebe Köchinnen und Köche,
liebe Freunde der Kochkunst, sehr geehrte Leserschaft,
wer wird in zehn Jahren in unseren Küchen stehen? Und vielleicht noch wichtiger: Was müssen diese Köchinnen und Köche dann können?
Diese Fragen beschäftigen mich zunehmend. Nicht aus Sorge um unseren Beruf – ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass der Kochberuf auch in Zukunft einer der schönsten, vielseitigsten und kreativsten Berufe sein wird. Aber ich bin ebenso überzeugt davon, dass wir seine Zukunft nicht als selbstverständlich betrachten dürfen. Unsere Branche verändert sich. Neue Ernährungsformen entstehen, Digitalisierung hält Einzug in unsere Betriebe, Nachhaltigkeit bekommt eine andere Bedeutung und junge Menschen stellen neue Anforderungen an ihr Berufsleben. Gleichzeitig bleiben Dinge bestehen, die unseren Beruf seit Generationen ausmachen: gutes Handwerk, Qualitätsbewusstsein, Kreativität, Gastfreundschaft und Freude. Wir müssen unser Handwerk bewahren und gleichzeitig bereit sein, weiterzulernen. Wir müssen jungen Menschen unsere Erfahrung weitergeben und ihnen gleichzeitig genügend Freiraum lassen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Und wir müssen Tradition nicht als etwas verstehen, das wir konservieren, sondern als Fundament, auf dem eine neue Generation weiterbauen kann.
Eine abgeschlossene Ausbildung kann heute nicht mehr das Ende des Lernens bedeuten. Ob neue Qualifikationen, spezialisierte Lehrgänge oder der neu gedachte Küchenmeister: Unser Berufsstand braucht Menschen, die neugierig bleiben und bereit sind, ihr Wissen während ihres gesamten Berufslebens weiterzuentwickeln.
Am Ende führt vieles auf einen einfachen Gedanken zurück: Die Küche von morgen entsteht durch die Entscheidungen, die wir heute treffen. 2036 scheint weit entfernt.
In persönlicher Wertschätzung
KM Patrick Jageregger
SKV-Präsident