Aktuell
SKV-Wohnzimmer

Vier Tage Küche, Austausch und Begegnung

Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Live-Cooking, spannenden Gästen und viel Raum für persönlichen Austausch.
Vier Messetage, täglich neue kulinarische Impulse und viele Gelegenheiten zur Begegnung – FOTO: Südtiroler Köcheverband - SKV
Wenn sich vom 19. bis 22. Oktober 2026 die Hotellerie und Gastronomie zur Fachmesse Hotel in Bozen trifft, ist auch der Südtiroler Köcheverband - SKV wieder mittendrin. Der SKV-Stand befindet sich auch heuer am gewohnten Standort und soll während der vier Messetage einmal mehr zum Treffpunkt für Köchinnen und Köche, Partner, Freunde und alle werden, die sich für die Südtiroler Küche begeistern.
Im Mittelpunkt steht erneut das Live-Cooking. An jedem Messetag werden zwei verschiedene Gastköchinnen und Gastköche am SKV-Stand ihre Küche präsentieren und kleine regionale Köstlichkeiten zubereiten. Mit dabei sind unter anderem Victoria Walder vom Speckeggele in Schlanders, Markus Holzer vom Jora Mountain Dining sowie die neue Jugendgruppe SJK – Südtiroler Jungköche.
Damit wird der Stand auch kulinarisch zeigen, wie vielfältig die Südtiroler Küche heute ist: unterschiedliche Persönlichkeiten, verschiedene Zugänge und Generationen – verbunden durch das gemeinsame Kochhandwerk.
Durch das Programm führt in diesem Jahr Thomas Vonmetz. Neben den Live-Cooking-Einheiten sind Gespräche, Begegnungen und weitere Programmpunkte geplant. Vor allem aber soll der SKV-Stand das bleiben, was ihn in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat: ein Ort, an dem man sich trifft, miteinander ins Gespräch kommt, neue Kontakte knüpft und bekannte Gesichter wiedersieht.
Vier Messetage, täglich neue kulinarische Impulse und viele Gelegenheiten zur Begegnung: Wir freuen uns darauf, die Südtiroler Kochwelt auch 2026 wieder im SKV-Wohnzimmer auf der Fachmesse Hotel zusammenzubringen.
pj

Thema
Aus- und Weiterbildung

Wer lernt 2036 noch für Südtirol zu kochen?

Warum die Zukunft unseres Berufs nicht nur davon abhängt, wer ihn erlernt – sondern auch davon, ob wir bereit sind, ein Berufsleben lang weiterzulernen.
FOTO: Hannes Niederkofler
Ein Koch schließt im Jahr 2006 seine Ausbildung ab. Er hat gelernt, Fonds und Saucen herzustellen, Fleisch fachgerecht zu zerlegen, Fisch zu filetieren, Garverfahren richtig einzusetzen und einen Posten zu organisieren. In den folgenden Jahren sammelt er Erfahrung. Aus dem Jungkoch wird ein Chef de Partie, vielleicht ein Souschef und irgendwann ein Küchenchef.
2036 steht derselbe Koch seit 30 Jahren im Beruf. Sein Handwerk ist noch immer sein Fundament. Doch die Küche um ihn herum ist längst eine andere geworden. Gäste fragen nach pflanzenbasierten Gerichten, Allergenen und individuellen Ernährungsformen. Nachhaltigkeit und der Umgang mit Ressourcen sind Teil unternehmerischer Entscheidungen geworden. Digitale Warenwirtschaft, moderne Küchentechnik und künstliche Intelligenz verändern Prozesse. Gleichzeitig soll ein Küchenchef kalkulieren, Mitarbeitende führen, Lehrlinge ausbilden, Dienstpläne organisieren, wirtschaftlich denken und in einem Arbeitsmarkt bestehen, in dem gute Fachkräfte längst auswählen können, für wen sie arbeiten.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Reicht das Wissen, mit dem wir unseren Beruf begonnen haben, noch für die Küche von morgen?
Nach dem Nachwuchs kommt die nächste Frage
In der vergangenen Ausgabe haben wir gefragt: „Wer kocht 2036 noch für Südtirol?“ Die Recherche zeigte ein differenzierteres Bild, als es die häufige Erzählung vom fehlenden Nachwuchs vermuten lässt. Die Zahl der Kochlehrlinge ist keineswegs eingebrochen. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen junger Menschen an Arbeit, Führung und berufliche Entwicklung. Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb nicht allein darin, Menschen für den Kochberuf zu gewinnen. Wir müssen ihnen auch Perspektiven bieten, damit sie sich innerhalb dieses Berufs weiterentwickeln können.
Damit beginnt die nächste Diskussion. Denn mit der Lehrabschlussprüfung endet zwar eine Ausbildung. Das Lernen eines Kochs sollte dort aber nicht enden.
Wir sollten Weiterbildung deshalb anders betrachten: nicht als etwas, das man macht, wenn gerade Zeit dafür ist. Nicht als Seminar, das irgendwo zwischen Saisonende und Urlaubsplanung Platz finden muss. Und auch nicht nur als Möglichkeit für besonders Karriereorientierte. Sondern als selbstverständlichen Teil unseres Berufslebens.
Der Kochberuf bekommt neue Ebenen
Das bedeutet nicht, dass morgen jeder Koch gleichzeitig Ernährungswissenschaftler, Betriebswirt, IT-Spezialist und Psychologe sein muss.
Kochen bleibt ein Handwerk.
Wer Produkte nicht versteht, Garprozesse nicht beherrscht und Geschmack nicht beurteilen kann, wird auch mit der besten Software keine gute Küche führen. Doch rund um dieses handwerkliche Fundament entstehen neue Kompetenzfelder.
Ein Küchenchef führt heute nicht nur eine Küche. Er führt Menschen. Er trägt Verantwortung für Wirtschaftlichkeit, Einkauf, Warenströme und Qualität. Er muss mit unterschiedlichen Generationen umgehen können, Feedback geben, Konflikte lösen und junge Menschen ausbilden. Gleichzeitig verändern neue Ernährungskonzepte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung die fachliche Seite seines Berufs.
Die Karriere eines Kochs kann deshalb heute nicht mehr nur als gerade Linie gedacht werden: Lehre – Gesellenjahre – Souschef – Küchenchef.
Berufliche Entwicklung kann ebenso Spezialisierung bedeuten. Vertiefung. Führung. Unternehmertum. Ernährungswissen. Ausbildungskompetenz. Digitalisierung. Nachhaltigkeit. Oder schlicht die Entscheidung, nach zwanzig Jahren Berufserfahrung noch einmal etwas zu lernen, das man mit 20 nicht lernen konnte – weil es damals in dieser Form noch gar nicht existierte.
Küchenmeister: Wenn aus Erfahrung Kompetenz werden soll
Genau an diesem Punkt bekommt auch die Meisterausbildung eine neue Bedeutung.
Der Küchenmeister war traditionell ein Zeichen höchster beruflicher Qualifikation. Daran hat sich nichts geändert. Was sich verändert, sind die Kompetenzen, die eine moderne Führungskraft in der Küche benötigt. Die Meisterausbildung kann deshalb mehr sein als die nächste Stufe nach der Lehre. Sie kann der Moment sein, in dem aus jahrelanger Berufserfahrung bewusst reflektierte Kompetenz wird.
Nicht: „Ich mache es so, weil ich es seit zwanzig Jahren so mache.“ Sondern: „Ich weiß, warum ich es so mache – und ich kann entscheiden, wann es Zeit ist, es anders zu machen.“
Pflanzenbasierte Kulinarik: Weiterbildung heißt auch Spezialisierung
Doch berufliche Entwicklung führt nicht zwangsläufig nach oben in eine Führungsposition. Sie kann genauso in die Tiefe eines Fachgebietes führen – die pflanzenbasierte Kulinarik ist dafür ein gutes Beispiel.
Dabei geht es nicht darum, die klassische Küche gegen eine neue auszuspielen. Und schon gar nicht um die Frage, ob Fleisch künftig noch auf einer Speisekarte stehen darf. Die interessantere Frage lautet: Beherrschen wir Köchinnen und Köche auch dieses Handwerk auf professionellem Niveau?
Ein Gemüsegericht ist nicht automatisch gute pflanzenbasierte Küche. Wer Geschmack, Textur, Proteine, Fermentation, Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse und moderne Zubereitungstechniken versteht, erweitert sein kulinarisches Repertoire. Genau dafür braucht es Weiterbildung.
Der geplante Lehrgang Pflanzenbasierte Kulinarik steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die den gesamten Berufsstand betrifft: Neue Anforderungen müssen nicht als Bedrohung für traditionelle Kochkunst verstanden werden. Sie können zusätzliche Kompetenz bedeuten. Ein Koch verliert nichts von seinem Wissen, wenn er etwas Neues dazulernt.
Sein Werkzeugkasten wird größer.
Erfahrung allein genügt nicht
In Küchen besitzt Erfahrung zu Recht einen hohen Stellenwert. Viele Dinge lassen sich nicht aus einem Lehrbuch lernen. Man muss einen Service erlebt, Fehler gemacht, Produkte verarbeitet und Verantwortung getragen haben.
Doch Erfahrung hat auch eine Schwäche: Sie beantwortet vor allem Fragen, die wir bereits kennen. Weiterbildung wird besonders dort wichtig, wo neue Fragen entstehen.
Wie verändert künstliche Intelligenz die Küchenorganisation? Was bedeutet moderne Mitarbeiterführung für eine Generation, die andere Erwartungen an ihre Arbeitswelt stellt? Wie verändern sich Ernährung und Gästebedürfnisse?
Aber wann sollen wir das alles lernen?
Wer über Weiterbildung spricht, darf allerdings einen Punkt nicht verschweigen. Zeit.
Ein Koch, der während der Saison fünf oder sechs Tage in der Woche arbeitet, besucht nicht nebenbei einen mehrmonatigen Lehrgang. Eine Küchenchefin mit Familie kann nicht selbstverständlich mehrere Abende pro Woche für Weiterbildung reservieren. Und ein kleiner Betrieb kann eine wichtige Fachkraft nicht beliebig für Seminartage freistellen.
Wer lebenslanges Lernen fordert, muss deshalb auch darüber sprechen, wie lebenslanges Lernen im gastronomischen Alltag überhaupt möglich wird. Hier liegt eine gemeinsame Aufgabe für Betriebe, Bildungseinrichtungen, Berufsverbände und öffentliche Hand. Weiterbildung muss erreichbar sein. Zeitlich, organisatorisch und finanziell.
Dafür braucht es künftig wohl stärker modulare Angebote: kürzere Lernphasen, Kombinationen aus Präsenz und digitalem Lernen, Spezialisierungen, die sich schrittweise aufbauen lassen – und Betriebe, die Weiterbildung nicht als verlorenen Arbeitstag betrachten, sondern als Investition in ihre eigene Zukunft. Denn am Ende kommt das Wissen zurück in die Küche.
Weiterbildung ist auch Mitarbeiterbindung
Damit schließt sich der Kreis zur Frage aus unserer vergangenen Ausgabe. Wir haben dort darüber gesprochen, warum junge Menschen in einem Betrieb bleiben – oder ihn verlassen. Wertschätzung, Betriebsklima, Arbeitsplatzsicherheit und berufliche Entwicklung spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Einen Faktor unterschätzen wir dabei womöglich: Menschen bleiben eher dort, wo sie eine Zukunft für sich sehen. Ein junger Koch, der weiß, dass er Verantwortung übernehmen kann, braucht Perspektiven. Eine Mitarbeiterin, die sich fachlich spezialisieren möchte, braucht Möglichkeiten. Ein zukünftiger Küchenchef braucht mehr als die Aussicht darauf, irgendwann den Titel seines heutigen Chefs zu übernehmen.
Weiterbildung ist deshalb nicht nur Bildungspolitik. Sie ist Personalentwicklung. Und eines der Instrumente, mit denen wir Fachkräfte nicht nur gewinnen, sondern langfristig für unseren Berufsstand begeistern können.
Vor 20 Jahren konnte niemand wissen, welche Anforderungen heute an einen Küchenchef gestellt werden. Ebenso wenig können wir heute exakt vorhersagen, wie eine professionelle Küche im Jahr 2036 aussehen wird. Aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren: abwarten, bis Veränderungen uns dazu zwingen, Neues zu lernen – oder Weiterbildung als das begreifen, was sie eigentlich sein sollte: ein selbstverständlicher Teil unserer beruflichen Identität.
pj