Szene
50 Jahre Kaiserhof

Eine kulinarische Zeitreise durch fünf Jahrzehnte

Mit einem festlichen Jubiläumsakt feierte die Landeshotelfachschule Kaiserhof am 21. April 2026 ihr 50-jähriges Bestehen – und ließ Geschichte durch den Gaumen wandern.
Süße Kreation mit Erdbeeren und Schokolade – FOTO: Katja Haller
Die Landeshotelfachschule Kaiserhof, die seit 1975 im ehemaligen Grandhotel am Meraner Bahnhof untergebracht ist, zählt zu den bedeutendsten Ausbildungsstätten für Hotellerie und Gastronomie in Südtirol. Unter dem Leitgedanken „Innovation aus Tradition“ blickte die Schule Ende April gemeinsam mit rund 80 geladenen Gästen auf fünf bewegte Jahrzehnte zurück.
Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, Landeshauptmann Arno Kompatscher, die Landesrät:innen Philipp Achammer, Magdalena Amhof und Luis Walcher, HGV-Präsident Klaus Berger, der ehemalige Schuldirektor Erik Platzer sowie IDM-Präsident Hansi Pichler und SKV-Präsident Patrick Jageregger.
Das Menü erzählt
Im Mittelpunkt standen an diesem Tag der feierliche Rückblick auf die Geschichte der Schule, vor allem aber auch ein außergewöhnliches Menü: „50 Jahre Kaiserhof – Eine kulinarische Zeitreise“. Die Schülerinnen und Schüler in der Küche interpretierten fünf Jahrzehnte Gastronomiegeschichte auf moderne Weise und verbanden nostalgische Klassiker mit zeitgemäßer Küchentechnik.
Den Auftakt bildete ein augenzwinkernder Gruß aus den 1980er-Jahren: der „Crevettencocktail Kaiserhof Edition 1985“. In den 1980er-Jahren galt der Krabbencocktail als Inbegriff der Grand Cuisine und wurde zum Symbol gesellschaftlicher Eleganz. Dieser Klassiker durfte damals auf keiner gehobenen Feier fehlen. Mit feiner Ironie wurde das Gericht für die Feier neu interpretiert – selbstverständlich inklusive reichlich Cocktailsauce, ganz im Stil der damaligen Zeit. Der Gang zeigte eindrucksvoll, wie sehr Esskultur auch als Spiegel gesellschaftlicher Trends verstanden werden kann.
Es folgte eine Reminiszenz an die 1990er-Jahre: eine klare Kraftbrühe mit Gemüsestreifen und gebackener Tatar-Praline. In einer Zeit, in der leichte Küche und Kalorienbewusstsein die Spitzengastronomie prägten, galt die handwerklich perfekte Consommé als die wahre Visitenkarte ambitionierter Küchenchefs. Die Kombination aus präziser Klarheit und aromatischer Tiefe überzeugte durch technische Sauberkeit und klassische Handwerkskunst.
Mit der „Königinnenpastete mit Spargel und Saibling“ führte die Reise zurück ins Jahr 1975 – jenes Jahr, in dem der Kaiserhof das traditionsreiche Gebäude am Meraner Bahnhof bezog.
Ursprünglich für eine Königin kreiert, galt diese Spezialität damals als Glanzpunkt festlicher Tafeln. Die klassische „Bouchée à la Reine“, Sinnbild französischer Hofküche, stand für gehobene Genusskultur und bürgerliche Festlichkeit. Die Verbindung mit regionalem Saibling verlieh dem Gericht eine elegante alpine Identität und schlug zugleich die Brücke zwischen Tradition und Moderne.
Der Hauptgang widmete sich dem Jahr 2005 und damit dem Zeitalter technischer Präzision in der Küche. Das Sous-Vide gegarte Kalbsfilet mit Sauce Béarnaise, Kartoffelpüree und Frühlingsgemüse spiegelte den Einfluss der damals aufkommenden Molekularküche wider. Punktgenaue Temperaturführung, perfekte Textur und handwerkliche Genauigkeit standen im Fokus – Eigenschaften, die bis heute die gehobene Gastronomie prägen. Besonders gelungen war dabei die Balance zwischen moderner Technik und klassischer Aromatik.
Den süßen Abschluss bildete eine moderne Dessertkomposition aus Erdbeeren und Schokolade als kulinarischer Blick in das Jahr 2025. Im Zeitalter sozialer Medien und multisensorischer Gastronomie geht es längst nicht mehr nur um Geschmack, sondern ebenso um Ästhetik, Inszenierung und Texturenspiel. Das Dessert präsentierte sich filigran, visuell eindrucksvoll und zugleich handwerklich präzise – ein Sinnbild der heutigen Fine-Dining-Kultur.
Das Jubiläumsmenü zeigte eindrucksvoll, wie sich gastronomische Strömungen im Laufe der Jahrzehnte verändert haben und dennoch stets auf denselben Grundlagen beruhen: Produktqualität, Handwerk und Leidenschaft. Die Landeshotelfachschule Kaiserhof bewies mit dieser kulinarischen Zeitreise nicht nur ihre Verbundenheit zur Tradition, sondern auch ihre Fähigkeit, Entwicklungen der internationalen Gastronomie kreativ und zeitgemäß zu interpretieren.
Fünfzig Jahre nach ihrem Einzug in das ehemalige Grandhotel präsentiert sich die Schule damit lebendiger denn je – als Ausbildungsstätte, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gastronomie auf bemerkenswerte Weise verbindet.
ml

Szene

Arbeiten in der „schönsten Branche der Welt“

Die vierte Ausgabe der Gastronomie-Fachtagung COOLinaria im Gustelier in Bozen beschäftigte sich
mit spannenden Küchenphilosophien, regionalen Produkten und digitaler Innovation.
v.l.n.r.: Die Referenten Marian Schneider und Davide Caranchini, Moderatorin Bettina Schmid vom Gustelier,HGV-Präsident Klaus Berger, Veronika Mair und Manuela Pattis vom HGV, Referent Simon Tress und Margareth Lanz, SKV-Vizepräsidentin. – FOTO: HGV
Die Veranstaltung COOLinaria, organisiert vom Gustelier – Atelier für Geschmackserfahrung des HGV in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Köcheverband - SKV bot im Mai eine inspirierende Plattform für den fachlichen Austausch. Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe standen einzigartige Küchenphilosophien, die konsequente Verwendung von 100 Prozent Bio- und regionalen Produkten, die Vorzüge von zentraler Vorproduktion, Robotik in der Gastronomie und digitaler Gästekommunikation.
Der deutsche Sternekoch Jan Hartwig sprach in einem Online-Talk von seinem Beruf als „wunderschönes Handwerk mit einem enormen Entwicklungspotenzial“. Kochen sei für ihn die Möglichkeit, den Gerichten seine eigene Handschrift zu geben, unter Verwendung der besten Produkte. „Komplexität zeigt sich oft in der Einfachheit. Das Produkt ist der Star meiner Küche“, beschrieb Hartwig seine Küchenphilosophie, und betonte, in der schönsten Branche der Welt zu arbeiten.
Auf biodynamischen Gemüseanbau und die ausschließliche Verwendung von Produkten aus einem Umkreis von 25 Kilometern setzt Simon Tress in seinem Sternerestaurant auf der Schwäbischen Alb. Der Koch und Unternehmer bietet auf seinen Tellern den „echten Geschmack“, Transparenz ist dabei sein Credo und er zeigt, dass Ökologie und Fine Dining sehr wohl zusammenpassen und eine hohe Wirtschaftlichkeit garantieren können.
Marian Schneider, Koch und Geschäftsführer der gastroevents GmbH aus Ulm, zeigte auf, wie durch klar strukturierte Abläufe und Zuständigkeiten eine zentrale Vorproduktion gut funktionieren kann. Sein Unternehmen bedient neun unterschiedliche Gastronomiekonzepte, von Schulausspeisung, über Catering- und Eventgastronomie bis hin zur Hotel- und Sterneküche. Eine gute Organisation, keine Scheu vor Anpassungen sowie der Einsatz von Talenten an den richtigen Stellen sind laut Schneider die Grundlagen seines Erfolgskonzeptes. Ein Modell, das in Zeiten von Personalmangel und Kostendruck relevanter denn je scheint.
Davide Caranchini vom Comer See sprach darüber, wie er sein eigenes Sternerestaurant Materia an einem Ort, der eigentlich Sommerdestination ist, ganzjährig wirtschaftlich tragfähig und mit klarer Linie führt. Wichtig ist ihm dabei die Motivation seines Teams. Sein Credo: „Mitarbeitende sind keine Nummer, sie sind wesentlicher Teil des Betriebskonzeptes“.
Abgerundet wurde die Fachtagung COOLinaria mit Mittagsgerichten von Victoria Walder vom Restaurant Speckeggele in Schlanders. Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen in zwei praxisorientierten Workshops mit Simon Tress und Veronika Mair.
Die Fachtagung COOLinaria 2026 hat deutlich gemacht: Zukunftsfähige Gastronomie entsteht dort, wo eine klare Küchenphilosophie, engagierte Teams, strukturiertes Arbeiten, Regionalität und digitale Innovation Hand in Hand gehen.
HGV / red