Editorial
Gesundheit, Talentförderung & Zusammenhalt

Stark am Herd – stark für das Leben

Liebe Köchinnen und Köche,
liebe Freunde der Kochkunst, sehr geehrte Leserschaft,
Leidenschaft, Handwerk und Zusammenhalt – diese drei Begriffe beschreiben unseren Beruf wohl besser als jede andere Kombination. Sie prägen den Alltag in unseren Küchen, begleiten junge Talente auf ihrem Weg und verbinden Generationen von Köchinnen und Köchen.
Genau deshalb widmen wir das Titelthema dieser Ausgabe einem Aspekt, der lange zu wenig Beachtung gefunden hat: der Gesundheit im Kochberuf. Wer Tag für Tag Höchstleistungen erbringt, wer unter Zeitdruck arbeitet, Verantwortung trägt und gleichzeitig Kreativität auf den Teller bringt, weiß, wie anspruchsvoll unser Beruf sein kann. Eine erfolgreiche Karriere in der Gastronomie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Umso wichtiger ist es, auf den eigenen Körper und die eigene Gesundheit zu achten. Denn nur wer langfristig leistungsfähig bleibt, kann seine Leidenschaft über Jahrzehnte hinweg ausüben.
Neben der Gesundheit blicken wir diesen Sommer aber auch auf andere Themen: Mit beeindruckendem Können, Kreativität und Begeisterung haben die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Let’s Cook It“ bewiesen, wie viel Potenzial in unserem Nachwuchs steckt. Solche Veranstaltungen sind weit mehr als Wettbewerbe – sie sind ein Schaufenster für die Zukunft unserer Branche und ein wichtiger Beitrag zur Förderung junger Talente.
Mit Blick nach vorne lade ich Sie bereits jetzt herzlich zu unserer 55. Mitgliederversammlung am 7. November 2026 einladen. Sie bietet die Gelegenheit, Rückschau zu halten, neue Impulse mitzunehmen und gemeinsam die Zukunft unseres Verbandes mitzugestalten. Vor allem aber ist sie ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gelebten Kollegialität.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre, viele neue Erkenntnisse und vor allem Freude an unserem schönsten Beruf der Welt.
In persönlicher Wertschätzung
KM Patrick Jageregger
SKV-Präsident

Aktuell
Gentechnik light – und keiner sieht‘s

Was künftig im Gemüse steckt und warum es nicht draufsteht

Eine neue EU-Verordnung zielt darauf ab, bestimmte Pflanzen, die gentechnisch verändert wurden, in Zukunft nicht mehr kennzeichnen zu müssen. Wird die Verordnung genehmigt, zieht sie Konsequenzen mit sich: für Einkauf, Qualität und Gästekommunikation.
FOTO: tarasyasinski – Pixabay
Der Rat der Europäische Union hat im April 2026 eine überarbeitete Regelung zu sogenannten Neuen Genomischen Techniken (NGT) angenommen. Für Küche und Gastronomie könnte sich damit mehr ändern, als auf den ersten Blick sichtbar ist – vor allem, was Einkauf, Gästekommunikation und Qualitätsversprechen betrifft.
Was sind NGTs?
Seit Jahren wird in der Europäischen Union darüber debattiert, wie bestimmte Neue Gastronomische Techniken rechtlich behandelt werden sollen. NGTs wie die CRISPR/Cas-Methode (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) erlauben es, das Erbgut von Pflanzen gezielt zu verändern, ohne dabei Fremdgene einzuschleusen. Das unterscheidet sie grundlegend von klassischer Gentechnik (GVO).
Jetzt liegt eine erste Antwort vonseiten der EU vor, die allerdings noch der formalen Zustimmung des europäischen Parlaments bedarf. Wird die Verordnung genehmigt, könnte sie 2028 in Kraft treten.
Zwei Kategorien – zwei Regelwerke
Die Verordnung teilt NGT-Pflanzen in zwei Gruppen:
Kategorie 1 (NGT-1) umfasst Pflanzen, deren Veränderungen auch durch konventionelle Züchtung oder natürliche Prozesse hätten entstehen können. Sie werden wie traditionell gezüchtete Sorten behandelt und müssen nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Lediglich das Saatgut muss entsprechend gekennzeichnet werden.
Kategorie 2 (NGT-2) betrifft komplexere Eingriffe. Hier bleibt das bisherige GVO-Recht in Kraft: Zulassungspflicht, Rückverfolgbarkeit, und Kennzeichnung sind notwendig. Mitgliedstaaten können den Anbau von NGT-2-Pflanzen auf ihrem Gebiet auch untersagen.
Was das für den Einkauf bedeutet
Der entscheidende Punkt für die Gastronomie: Viele pflanzliche Zutaten könnten künftig genomisch bearbeitet sein, ohne dass das auf dem Etikett steht. Wer seinen Gästen gegenüber Transparenz zusichern will – oder auf NGT-freie Rohstoffe setzt – muss das aktiv rückverfolgen, dokumentieren und mit den Liferant:innen klären.
Ein wichtiger Fixpunkt bleibt bestehen: Bio-Produkte sind nach der EU-Öko-Verordnung weiterhin strikt gentechnikfrei. Für Betriebe, die konsequent auf Bio setzen, ändert sich in dieser Hinsicht also nichts.
Gästekommunikation wird zur Eigenverantwortung
Bislang gab es eine gesetzliche Kennzeichnung auf die man verweisen konnte, wenn Produkte genomisch editiert wurden. Stimmt das Europäische Parlament der Verordnung zu, entfällt diese Kennzeichnungspflicht bei NGT-1-Produkten. Wer künftig sagt „bei uns kommt keine Gentechnik auf den Teller“, muss das selbst belegen – über Lieferantenverträge, Herkunftsnachweise und aktives Qualitätsmanagement.
Das ist nicht unbedingt ein Rückschritt, sondern kann auch eine Chance darstellen: Betriebe, die das Qualitätsmanagement ernstnehmen, können sich damit klar von anderen Bewerber:innen abheben.
Chancen und offene Fragen
NGT-Pflanzen versprechen höhere Erntesicherheit, bessere Resistenzen gegen Klimaextreme und langfristig stabilere Rohstoffpreise. Das klingt gut – und mag es auch sein. Gleichzeitig bleiben Fragen offen: Wer hält die Patente auf diese Sorten? Welche Abhängigkeiten entstehen für Landwirt:innen und damit letztlich für die gesamte Lieferkette? Diese politischen Debatten sind noch nicht abgeschlossen.
Die neue NGT-Verordnung verschiebt Verantwortung: weg von gesetzlicher Kennzeichnung, hin zu aktivem Qualitätsmanagement in den Betrieben. Für Köche und Köchinnen bedeutet das: genauer hinschauen, gezielter fragen – und das eigene Qualitätsversprechen gegenüber den Gästen klarer formulieren als bisher.
pj