Aktuell
Michi Ploner

Herzliche Gratulation zum Michelin Stern

Der s’kammerli-Küchenchef Michael Ploner begeistert nicht nur auf internationalem Niveau, sondern war auch einer der Protagonisten beim Projekt „So isst EUREGIO“
Erinnerungsfoto von den Drehaufnahmen für „So isst Euregio“: (v. l.) Michael Ploner und Philipp Stohner – FOTO: bild[ART]isten
Der Südtiroler Köcheverband - SKV freut sich, einem der aufstrebendsten Talente der österreichischen alpinen Kulinarik zu seinem jüngsten Erfolg zu gratulieren: Michi Ploner, Küchenchef von s’kammerli in Nauders, wurde in der aktuellen Ausgabe des Guide Michelin Austria 2026 mit seinem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet.
Ploner, der bereits als Staatsmeister im Kochen und Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft auf internationalem Parkett brillierte, zeigt in s’kammerli, wie moderne alpine Küche auf höchstem Niveau gelingen kann. Sein Erfolg ist nicht nur ein Verdienst seines handwerklichen Könnens, sondern auch seiner konsequenten Arbeit mit regionalen, saisonalen Zutaten und seiner kreativen Interpretation traditioneller Gerichte.
Besonders hervorzuheben ist Michi Ploners Engagement über die Restaurantküche hinaus: Er war einer der Protagonisten des Projekts „So isst Euregio“, in dem Köchinnen und Köche aus Tirol, Südtirol und Trentino die Vielfalt und Qualität der regionalen Küche der Euregio präsentiert haben. Seine Teilnahme hat das Projekt um einen wertvollen Beitrag bereichert und einmal mehr gezeigt, wie wichtig kulinarische Vernetzung und grenzüberschreitender Austausch für die Entwicklung der alpinen Küche sind.
Der SKV gratuliert Michi Ploner herzlich zu dieser herausragenden Auszeichnung und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg auf seinem Weg, die alpine Gourmetküche in die Welt zu tragen.
red

Thema
Feuer, Rauch & Alpenkultur

Männer im Glutrausch

Wie drei Freunde, die am Schlossberg in Bruneck ein Feuer entfachten, eine der spannendsten Grillbewegungen des Alpenraums formten. Ein Blick hinter die Kulissen einer Leidenschaft, die längst über Würstel und Kotelett hinausgeht.
v.l.n.r. Michele Capano, Haymo Gutweniger und Myrko Leitner – FOTO: Gerd Eder
Wenn in Südtirol irgendwo Feuer knistert, Rauch aufsteigt und Menschen fasziniert um einen Grill stehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die „Männer im Glutrausch“ - MiG nicht weit sind. Was 1998 als Grillabenteuer am Schlossberg bei Bruneck begann, hat sich über die Jahre zu einer kulinarischen Marke entwickelt, die weit über das Pustertal hinausstrahlt.
Mit ihrer Mischung aus alpiner Identität, internationaler BBQ-Technik und kompromissloser Produktliebe haben Michele Capano, Myrko Leitner und Haymo Gutweniger eine Bewegung geschaffen, die zeigt: Grillen ist längst Hochküche – und ein eigenes, ernstzunehmendes Handwerk.
Ob Workshops, Wettbewerbe oder ihre legendären Events: MiG steht für eine neue, kreative Form des Grillens, die neugierig macht, inspiriert und Köchinnen wie Köche immer wieder herausfordert. Und doch bleibt bei allem Erfolg eines bestehen – die Leidenschaft, die beim ersten gemeinsamen Feuer entfacht wurde.
Zeit also, den Funken weiterzugeben.
Wir haben mit den „Männern im Glutrausch“ über ihre Anfänge, ihre Philosophie, ihre Lieblingsprodukte und die Zukunft der Grillkultur in Südtirol gesprochen – und Antworten erhalten, die zeigen, wie viel Feuer tatsächlich in dieser Truppe steckt.
SKV: Das Kollektiv Männer im Glutrausch (MiG) entstand 1998 am Schlossberg. Wann wurde euch klar, dass daraus etwas Größeres werden könnte?
Myrko Leitner: Eine Titelseite des Stern hat uns damals zur Namensgebung inspiriert: „Männer im Glut-Rausch“. Michele und ich haben schon immer gemeinsam gegrillt und ständig Neues ausprobiert. Dass daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell mit Grillevents, Workshops und vielem mehr entsteht, hätte keiner von uns vorausgesehen.
Wie hat sich die Grillkunst in Südtirol seit euren Anfängen verändert?
Myrko: Früher wurde in Südtirol klassisch „flachgegrillt“ – Pfunderer Steinplatte, Grillrost, Bratwurst, Schopf. Heute ist die Gerätevielfalt enorm und Begriffe wie direktes oder indirektes Grillen sind längst bekannt.
Was macht alpine Grillkultur für euch aus?
Haymo Gutweniger: Die Rezepte unserer Omas, unserer Heimat auf dem Grill umzusetzen, macht einfach Spaß. Wir haben so viele regionale Zutaten, die unsere Gäste immer wieder staunen lassen.
Gibt es ein Grillprinzip, das ihr nie brecht?
Michele Capano: Ganz einfach: Stich nicht ins Steak!
Eine gute Grillerei bedeutet Vielfalt: gutes Fleisch, Gemüse und viele gute Freunde – FOTO: Gerd Eder
Ihr sagt selbst: „Grillen ist mehr als Würstel und Kotelett“ – woran erkennt man gutes Grillen?
Myrko: Eine gute Bratwurst ist bereits Kunst. Das Produkt selbst muss perfekt sein, sonst wird es nichts. Eine gute Grillerei bedeutet Vielfalt: gutes Fleisch oder Fisch, Gemüse, Saucen, Getränke – und viele gute Freunde.
Mit welchen drei Produkten arbeitet ihr am liebsten – und warum?
Haymo: Am liebsten mit Produkten, von denen man sagt: „Das kann man nicht grillen.“ Da müssen wir tüfteln. Fleisch natürlich – aber gern die sogenannten „Nicht-Edelteile“. Käse ist ein Muss, solo oder kombiniert. Und frisches Gemüse und Obst, das die Jahreszeit bietet.
Welches Produkt unterschätzen die meisten Griller völlig?
Haymo: Fisch und Meeresfrüchte. Ich denke grundsätzlich unterschätzen wir diese wunderbaren Lebensmittel – uns fehlt da die Experimentierfreude. Da lässt sich sehr viel mehr daraus machen und viel mehr kombinieren. Es scheint oft, dass hier nur die klassischen Zubereitungen zum Tragen kommen. Viele sind da zu vorsichtig. Dabei könnten unglaubliche Kombinationen entstehen, etwa mit Käse oder lokalen, erdigen Zutaten. Da öffnet sich eine völlig neue Geschmackswelt.
Ihr arbeitet mit unterschiedlichen Grillgeräten und Grillmethoden – Feuerplatte, Smoker, Keramikgrill, Holzkohle. Welche Technik fasziniert euch aktuell am meisten – und weshalb?
Myrko: Hier gibt es keine eindeutige Antwort. Alle Geräte und Methoden haben ihre Berechtigung.
Michele: Wir brauchen immer mehrere Geräte, damit wir unsere Gerichte perfekt zubereiten können. Feuerplatte zum Schnellen anbraten, aber dann zum Nachziehen ist eine indirekte Zone in einem Kugel- oder Gasgrill perfekt.
Haymo: Eigentlich je „klassischer“ und je weniger Technik, desto besser. „Back to the roots“ – Feuer, ein Spiel mit der Hitze, keine Sonden, keine technischen Helferlein. Je einfacher, desto besser.
Welcher Fehler passiert am Hobbygrill am häufigsten?
Myrko: Zu viel Hitze und zu viel Öl
Haymo: Es wird zu wenig auf die Zutaten geschaut. Wenn es Fleisch ist, dann sollte mit dem Metzger zuerst gesprochen und nicht mit Brot, Saucen und Beilagen begonnen werden.
Michele: Stress und Hektik – deshalb gibt es auch unsere Grillseminare.
Wo holt ihr euch neue Ideen her – Reisen, Produkte oder Experimente am Grill?
Haymo: Ich bin viel unterwegs und da fällt mir was ein. Anruf bei Myrko oder Michl und es wird ein Rezept daraus.
Michele: So manche Ideen entstehen beim Grillen selbst. Was machen wir mit den Resten? Zack und schon ist wieder eine Idee geboren…
Welches Gericht hat euch selbst überrascht, weil es am Grill besser funktioniert hat als gedacht?
Myrko: Snickers im Speckmantel.
Haymo: Soufflés gelingen wunderbar.
Michele: Buchteln im Dutch Oven.
Gibt es etwas, das ihr unbedingt noch entwickeln oder perfektionieren wollt?
Myrko: Die Entwicklung und Umsetzung von klassischen lokalen Gerichten auf dem Grill, gepaart mit genialen Events (so wie das Käsefestival). Es ist aber wie so oft: 100 Ideen, mal sehen, was sich umsetzen lässt.
Drei Charaktere, eine Leidenschaft: Wie würdet ihr eure Rollen innerhalb des MiG-Teams beschreiben?
Haymo: Produkte und Ideen aus aller Welt.
Michele: Der Techniker – was wo wie auf welchem Gerät.
Myrko: Der Organisator.
Wer von euch hat die gewagtesten Ideen – und wer bremst am ehesten?
Haymo: Kommt drauf an.
Myrko: Rezeptetechnisch ist Haymo „The Brain“.
Michele: Ich bin eher der „Planer" der die anderen zwei zum Mitdenken anregt. Aber auch der „Gerätewart“ der achtet, dass wir nur jene Geräte mitnehmen, die wir wirklich brauchen.
Ihr gebt Workshops und Seminare: Was ist das Schönste, das ihr Teilnehmenden weitergeben könnt?
Michele: Ich freue mich, wenn Leute unsere Rezepte zu Hause nachmachen können. Sie sind einfach und die Zutaten leicht erhältlich.
Haymo: Mir gefällt vor allem das Zusammensein, gute Produkte, Regionalität – und raus aus dem Schema „5 Grillabende, immer das Gleiche“. Mehr Fantasie, mehr Improvisation und viel Wert auf die Gespräche am Grill.
Welche Fähigkeiten sollten junge Köchinnen und Köche heute unbedingt am Grill lernen?
Myrko: Wenn ihr grillt, dann bleibt authentisch. Rinderbrust fürs Brisket oder eine Schweinsschulter für Pulled Pork Sandwich, Baby-Back-Ribs ist nicht gleich Spareribs.
Haymo: Grillen ist Arbeiten ohne Netz und ohne doppelten Boden. Feuer, Hitze und Ursprünglichkeit stehen im Mittelpunkt.
Michele: Wir müssen lernen zu den „basics“ zurückzukehren. Einfach denken, einfach zubereiten und die Stimmung des Grillens, das Flair, die Ruhe und das Kochen mit lebendigem Feuer pflegen.
Ihr veranstaltet den extremen BBQ-Wettbewerb W.E.S.T. (Winter Extreme South Tyrol). Was macht den Reiz aus, bei bis zu minus 25 Grad zu grillen?
Haymo: Das müsst ihr die Teams fragen! Spaß beiseite – Es gibt über 400 Grillmeisterschaften weltweit, aber keine ist so extrem wie unsere. Das ist nicht nur den kalten Temperaturen geschuldet, sondern auch den Umständen. Wir grillen auf einem schneebedeckten Platz, wo die Teams mit Schlitten und Rodeln das ganze Equipment auf ihren Bereich bringen müssen. Das braucht Überwindungskraft.
Michele: Man bedenke, die Idee für W.E.S.T. ist bei +30 Grad in Perugia 2014 entstanden.
Welche internationale Erfahrung hat euch am meisten geprägt?
Michele: Die Teilnahme am „The Jack BBQ“ in der Jack-Daniel’s Destillerie in Tennessee war gigantisch. All diese BBQ-Stars, die wir aus den TV-Sendungen kennen, live zu treffen ist der Hammer.
Welche kulinarische Spur möchtet ihr in Südtirol hinterlassen?
Myrko: Wenn die Südtiroler am Grill sich was trauen und sagen: von den MiG gelernt.
Haymo: Eigentlich geht es uns nicht um die kulinarische Spur, für diese haben wir viele Top Köche in Südtirol. Uns geht es darum, die Menschen wieder zu entschleunigen, zusammenzubringen. Wir sind alle im täglichen Leben getrieben, sind alle online, alles ist digital. Wir möchten etwas anderes in den Mittelpunkt stellen: gemeinsam reden, essen und eine gute Zeit verbringen. Wir wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren.
Und zum Abschluss: Welches Gericht beschreibt „Männer im Glutrausch“ am besten?
Alle: Lammravioli (inspiriert von einem Slow-Food-Dinner) einfach umgedreht, d.h. das Lammfleisch bildet den Teig gefüllt mit Ricotta. Auch die Graukäsetarte darf nicht fehlen. Diese ist entstanden als wir gekochte, gestampfte Kartoffeln und Graukäse zusammen gesehen haben. Zwei Zutaten, total simpel, aber mit einem genialen Geschmackserlebnis.
red / pj