Aktuell
NEST

Zukunft auf dem Teller

Vom Forschungsauftrag bis zur Abschlusspräsentation – und warum die Köchegemeinschaft ein entscheidender Teil des Wandels ist.
Symbiose zwischen Landwirtschaft und Gastronomie – FOTO: IDM - KI generiertes Bild
Mit dem Projekt NEST – Nachhaltiges Ernährungssystem Südtirol hat das Land Südtirol gemeinsam mit Forschung, Landwirtschaft und Gastronomie einen der bislang umfassendsten Versuche unternommen, die regionale Lebensmittelversorgung neu zu denken. Es geht um nicht weniger als die Frage: Wie schaffen wir ein Ernährungssystem, das ökologisch tragfähig, sozial gerecht und wirtschaftlich stabil ist – und gleichzeitig den Bedürfnissen der Gastronomie entspricht?
Für die Südtiroler Köchinnen und Köche spielt dieses Thema eine zentrale Rolle. Denn was und wie wir kochen, hängt untrennbar damit zusammen, wie und wo Lebensmittel erzeugt, geliefert und verarbeitet werden.
Was ist NEST? – Die Grundidee
NEST wurde 2021 gestartet und über mehrere Jahre von der Landesverwaltung zusammen mit Eurac Research und IDM Südtirol wissenschaftlich begleitet. Das Projekt sollte erstmals systematisch darstellen, wie Südtirols Ernährungssystem heute funktioniert – und wie es in Zukunft funktionieren könnte.
Der Ansatz war ganzheitlich:
Landwirtschaft
Lebensmittelverarbeitung
Logistik
Handel
Gastronomie
Konsum
sowie politische Rahmenbedingungen
wurden gemeinsam betrachtet. Ziel war es, Stärken sichtbar zu machen, Schwächen zu identifizieren und konkrete Lösungen zu entwickeln.
Der Verlauf des Projekts
Phase 1: Analyse (2021–2022)
In zahlreichen Befragungen, Workshops und Datenanalysen wurde untersucht,
welche Produkte in Südtirol erzeugt werden,
welche importiert werden müssen,
wo Engpässe bestehen,
wie Lieferketten organisiert sind,
und welche Erwartungen Gastronomiebetriebe haben.
Erste Ergebnisse zeigten:
Südtirol ist bei Milch, Fleisch, Äpfeln und bestimmten Gemüsearten gut aufgestellt – gleichzeitig gibt es deutliche Lücken bei Getreide, Hülsenfrüchten, Ölfrüchten oder Geflügel. Viele Gastronomiebetriebe wünschen sich mehr regionale Ware, doch es fehlt oft an Logistik und Verfügbarkeit.
Phase 2: Vertiefung und Praxis (2022–2025)
Die zweite Phase widmete sich konkreten Handlungsmöglichkeiten. Dazu gehörten:
neue Logistikmodelle wie zentrale Verteilerstrukturen,
stärkere Vernetzung von Produzent:innen und Gastronomie,
Förderung saisonaler und pflanzenbasierter Angebote,
Weiterbildungsinitiativen für Betriebe,
Praxisbeispiele, die zeigen, wie regionale Wertschöpfung funktionieren kann.
Gemeinsam mit Betrieben wurden Pilotprozesse getestet, etwa effizientere Bestellwege, regionale Menükonzepte oder nachhaltige Speisepläne für Gemeinschaftsverpflegung.
Die Ziele von NEST
Das Projekt verfolgt vier übergeordnete Ziele:
Mehr regionale Lebensmittel auf Südtirols Tellern. Kurze Lieferwege, geringere Emissionen, stärkere lokale Wirtschaft.
Ein nachhaltigeres, widerstandsfähiges Ernährungssystem. Auch in Krisenzeiten Versorgungssicherheit gewährleisten.
Faire und transparente Wertschöpfungsketten. Produzent:innen, Handel und Gastronomie sollen gleichermaßen profitieren.
Wissenstransfer und Ausbildung. Weiterbildung für Branchenakteure, damit nachhaltiges Handeln praxistauglich wird.
NEST heute – der aktuelle Stand
Mit der Abschlusspräsentation im März 2026 wurde deutlich: NEST hat kein starres Endprodukt hervorgebracht, sondern eine Strategie, eine Wissensbasis und ein Netzwerk, das nachhaltig weitergeführt werden kann.
Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählen:
Südtirol hat großes Potenzial für regionale Versorgung, aber strukturelle Lücken müssen geschlossen werden.
Gastronomie spielt eine Schlüsselrolle: Sie beeinflusst Nachfrage, Trends und Produzentenentscheidungen.
Viele Betriebe sind bereit, nachhaltiger zu arbeiten – benötigen dafür aber verlässliche Strukturen.
Ohne moderne Logistik (Sammelstellen, Verteiler, digitale Schnittstellen) bleibt Regionalität begrenzt.
Weiterbildung ist entscheidend: Nachhaltigkeit muss Teil der professionellen Ausbildung sein.


Die Abschlusspräsentation – und die Rolle des SKV
Am 19. März 2026 fand im Innenhof des Palais Widmann in Bozen die offizielle Abschlusspräsentation von NEST statt. Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, Eurac Research, IDM Südtirol und verschiedener Wirtschaftsverbände präsentierten die Ergebnisse und blickten auf die nächsten Schritte.Damit wurde die Bedeutung der Gastronomie und ihres Berufsstandes für das gesamte Ernährungssystem klar unterstrichen. Der SKV gilt als Stimme jener, die täglich mit Lebensmitteln arbeiten, Verantwortung übernehmen und maßgeblich entscheiden, wie regionale Produkte verarbeitet und interpretiert werden.
SKV-Präsident Patrick Jageregger brachte die Perspektive der Köchinnen und Köche ein – insbesondere:
den Bedarf an verlässlicher regionaler Verfügbarkeit,
die Notwendigkeit effizienter Einkaufssysteme,
die Bedeutung von Weiterbildung in Nachhaltigkeit,
sowie die Chancen einer engeren Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten.
Die Teilnahme unterstreicht den Willen des SKV, aktiv an der Gestaltung eines zukünftigen Ernährungssystems mitzuwirken – ein System, das der Gastronomie nicht auferlegt wird, sondern gemeinsam mit ihr entsteht.
Ausblick – Wohin geht die Reise?
Auch wenn NEST offiziell abgeschlossen ist, steht Südtirol erst am Anfang eines langfristigen Prozesses. Folgende Schritte stehen im Zentrum der künftigen Arbeit:
Aufbau neuer regionaler Liefernetzwerke
Verbesserte Strukturen für Warenfluss und Logistik
Ausbau der Weiterbildung im Bereich nachhaltige Küche
Förderung innovativer Konzepte wie „Farm-to-Table“
Stärkere Einbindung der Gastronomie in politische Entscheidungsprozesse
Der SKV wird hier – als Bindeglied zwischen Ausbildung, Praxis und Politik – weiterhin eine Schlüsselrolle spielen.
NEST hat gezeigt:
Ein nachhaltiges Ernährungssystem kann nur funktionieren, wenn alle Akteur:innen zusammenarbeiten – und wenn die Gastronomie eine aktive, gestaltende Rolle übernimmt.
Für die Kochbranche und damit auch für den SKV bietet das Projekt eine große Chance: Es schafft die Grundlage dafür, dass Südtirol auch in Zukunft ein Land der Qualität, Regionalität und kulinarischen Identität bleibt.
Gleichzeitig fordert es uns auf, Verantwortung zu übernehmen – für unsere Produzentinnen und Produzenten, für unsere Gäste und für die nächsten Generationen.
red / pj

Aktuell
Michi Ploner

Herzliche Gratulation zum Michelin Stern

Der s’kammerli-Küchenchef Michael Ploner begeistert nicht nur auf internationalem Niveau, sondern war auch einer der Protagonisten beim Projekt „So isst EUREGIO“
Erinnerungsfoto von den Drehaufnahmen für „So isst Euregio“: (v. l.) Michael Ploner und Philipp Stohner – FOTO: bild[ART]isten
Der Südtiroler Köcheverband - SKV freut sich, einem der aufstrebendsten Talente der österreichischen alpinen Kulinarik zu seinem jüngsten Erfolg zu gratulieren: Michi Ploner, Küchenchef von s’kammerli in Nauders, wurde in der aktuellen Ausgabe des Guide Michelin Austria 2026 mit seinem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet.
Ploner, der bereits als Staatsmeister im Kochen und Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft auf internationalem Parkett brillierte, zeigt in s’kammerli, wie moderne alpine Küche auf höchstem Niveau gelingen kann. Sein Erfolg ist nicht nur ein Verdienst seines handwerklichen Könnens, sondern auch seiner konsequenten Arbeit mit regionalen, saisonalen Zutaten und seiner kreativen Interpretation traditioneller Gerichte.
Besonders hervorzuheben ist Michi Ploners Engagement über die Restaurantküche hinaus: Er war einer der Protagonisten des Projekts „So isst Euregio“, in dem Köchinnen und Köche aus Tirol, Südtirol und Trentino die Vielfalt und Qualität der regionalen Küche der Euregio präsentiert haben. Seine Teilnahme hat das Projekt um einen wertvollen Beitrag bereichert und einmal mehr gezeigt, wie wichtig kulinarische Vernetzung und grenzüberschreitender Austausch für die Entwicklung der alpinen Küche sind.
Der SKV gratuliert Michi Ploner herzlich zu dieser herausragenden Auszeichnung und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg auf seinem Weg, die alpine Gourmetküche in die Welt zu tragen.
red