Thema
Olympia
1.600 Höhenmeter, dutzende Nationen, ein Herd
Der Küchenchef der olympischen Küche in Antholz, KM Thomas Kostner, über eines der spannendsten Caterings seiner Karriere.

KM Thomas Kostner – FOTO: Südtirol Kurse
Während die Welt vom 8. bis zum 21. Februar 2026 auf die Südtirol Arena in Antholz blickte und die besten Biathletinnen und Biathleten der Welt auf 1.600 Metern Höhe um olympische Medaillen kämpften, lief hinter den Kulissen, in der Küche, ein ebenso anspruchsvolles Hochleistungsprogramm ab. Die Biathlon-Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele in Antholz stellten die kulinarische Infrastruktur vor riesige Herausforderungen: Zehntausende Menschen – Athlet:innen, Betreuer:innen, Mitarbeitende, Medienschaffende und Zuschauer:innen – mussten täglich verpflegt werden.

Das Küchenteam – FOTO: Christian Flora
Das Catering-Konzept von Karl Telfser, Inhaber der Karl Telfser GmbH, setzte dabei auf konsequente Regionalität und verzichtete bewusst auf Fertigprodukte – ein klares Bekenntnis zur Südtiroler Küche als Identitätsträgerin auf der größten sportlichen Bühne der Welt.
Küchenchef in Telfsers Team war KM Thomas Kostner. Was es bedeutet, unter olympischem Druck, vor alpiner Kulisse und für so viele Menschen zu kochen, davon erzählt der Koch, Patissier und Foodstylist im Interview.
Küchenchef in Telfsers Team war KM Thomas Kostner. Was es bedeutet, unter olympischem Druck, vor alpiner Kulisse und für so viele Menschen zu kochen, davon erzählt der Koch, Patissier und Foodstylist im Interview.
Thomas, du warst Küchenchef bei den olympischen Spielen in Antholz. Wie war das Catering dieses riesigen Events organisiert?
Thomas Kostner: Die Vorproduktion erfolgte zentral am Firmensitz von Karl Telfser in Lana, wo ein Teil der Speisen vorbereitet wurde. Die finale Produktion und Ausgabe fand direkt im Olympia-Areal in Antholz in einer zentralen Küche statt und wurde dort täglich frisch zubereitet. Die Ausgabe und der Service erfolgten dann an insgesamt neun Stationen – darunter Restaurants, VIP-Bereiche, Festzelt und Kioske.
Wer hat die Koordination übernommen und wie war dein Team aufgestellt?
Die Koordination lag bei Karl Telfser, der als Gesamtleiter Food & Beverage die kulinarische Planung verantwortete. Mein Aufgabenbereich als Küchenchef bestand darin zusammen mit KM Martin Morandell, die operative Umsetzung in der Küche sowie der Getränkelogistik sicherzustellen – von der Produktionsplanung über die Personalführung bis hin zur Qualitätssicherung. Unser Team umfasste rund 45 Mitarbeitende aus Küche, Ausgabe und Logistik, die präzise aufeinander abgestimmt arbeiteten.
Aufgrund der Saisonspause im Burggrafenamt waren viele erfahrene Köchinnen und Köche im Team, die auch schon bei Weltcup-Veranstaltungen mit dabei waren. Darunter David Ruepp und Patrick Delmonego (Souchefs vom Hotel Castel), Christian Flora (Küchenchef vom Golserhof), Philipp Pfattner (Patissier im Hotel Castel Fragsburg), Martin Burger (Küchenchef vom Hotel Bavaria), Michael Laimer (vom Restaurant Helener Pichl) und viele weitere.
Aufgrund der Saisonspause im Burggrafenamt waren viele erfahrene Köchinnen und Köche im Team, die auch schon bei Weltcup-Veranstaltungen mit dabei waren. Darunter David Ruepp und Patrick Delmonego (Souchefs vom Hotel Castel), Christian Flora (Küchenchef vom Golserhof), Philipp Pfattner (Patissier im Hotel Castel Fragsburg), Martin Burger (Küchenchef vom Hotel Bavaria), Michael Laimer (vom Restaurant Helener Pichl) und viele weitere.
Wann begann die konkrete Planung für Olympia?
Offiziell startete die Detailplanung etwa ein Jahr vor den Spielen. In Wahrheit laufen die Vorbereitungen für ein Projekt dieser Größenordnung deutlich länger. Bereits bei den Weltcup-Veranstaltungen der letzten Jahre haben wir immer wieder überlegt, wie gewisse Abläufe und Strukturen bei der Olympiade organisiert werden können.
Die Vorgaben des Olympischen Komitees zu Menüs, Nährwerten und Ernährungsformen kamen dann früh genug, um Mengen zu kalkulieren, Diäten berücksichtigen und nationale Besonderheiten einplanen zu können.
Die Vorgaben des Olympischen Komitees zu Menüs, Nährwerten und Ernährungsformen kamen dann früh genug, um Mengen zu kalkulieren, Diäten berücksichtigen und nationale Besonderheiten einplanen zu können.
Wie habt ihr die Logistik der Warenbeschaffung auf 1.600 Metern Höhe gelöst?
Das war eine der zentralen Herausforderungen. Aufgrund der eingeschränkten Zufahrtszeiten – vier Stunden vor Rennbeginn durfte kein Fahrzeug mehr verkehren – musste jede Lieferung exakt getaktet sein.
Habt ihr dafür mit lokalen Liferant:innen zusammengearbeitet?
Ein wesentlicher Bestandteil unseres Konzepts war die konsequente Regionalität. Wir haben überwiegend mit Südtiroler Produzent:innen und Lieferant:innen gearbeitet und bewusst auf hochwertige, regionale Produkte gesetzt. Das war nicht nur ein logistischer Vorteil, sondern auch ein klares kulinarisches Statement: Südtirol als Gastgeberregion sollte sich authentisch in den Gerichten und auf dem Teller widerspiegeln.
Das Konzept des olympischen Komitees (IOC) „Food for Fuel“ setzt auf individualisierte Nährstoffprofile. Was müssen wir uns darunter vorstellen und wie hat sich dieser Anspruch auf eure Arbeit ausgewirkt?
Die Gerichte für Athlet:innen und Funktionär:innen unterlagen genauen Vorgaben zu Nährwertprofil, Zusammensetzung und Kennzeichnung. Diese wurden bereits im Vorfeld sehr genau durchgegeben und während der Wettkämpfe immer wieder kontrolliert.

Carbonararavioli | Lauchstreifen | Speck G.G.A. – FOTO: Thomas Kostner
Der direkte Austausch mit einzelnen Athlet:innen war naturgemäß begrenzt, auf spezielle Wünsche sind wir aber immer wieder eingegangen. Weiters war klar: Jede Mahlzeit muss funktional, ausgewogen und leistungsunterstützend sein.
Biathlon ist eine Ausdauersportart mit hohem Energiebedarf. Wie unterschied sich die Versorgung der Athlet:innen von dem, was du für VIP-Gäste oder Medienschaffende gekocht hast?
Die Mahlzeiten der Sportler:innen waren klar leistungsorientiert: kohlenhydratbetont, mit jeweils einer Proteinkomponente, leicht verdaulich, präzise abgestimmt auf Belastung und Regeneration.
Im VIP-Bereich lag der Fokus stärker auf Genuss, Regionalität und Präsentation. Dort konnten wir die Südtiroler Küche emotionaler inszenieren. Von Fingerfood über Südtiroler Aufschnitt-Spezialitäten, kalte und warme Gerichte bis hin zu einer großen Auswahl an verschiedenen Desserts und Petit Fours.
Im VIP-Bereich lag der Fokus stärker auf Genuss, Regionalität und Präsentation. Dort konnten wir die Südtiroler Küche emotionaler inszenieren. Von Fingerfood über Südtiroler Aufschnitt-Spezialitäten, kalte und warme Gerichte bis hin zu einer großen Auswahl an verschiedenen Desserts und Petit Fours.
Gab es Momente, in denen du eine kulinarische Lösung für eine sehr spezifische Anforderung finden musstest?
Ja, es gab durchaus Situationen, in denen schnelle und lösungsorientierte Entscheidungen gefragt waren. Für die Mitarbeitenden war beispielsweise seitens des IOC eigentlich kein Fleischgericht vorgesehen. Plötzlich erhielten wir jedoch die Anweisung des Komitees in Antholz, ab sofort zusätzlich ein Fleischgericht anzubieten; mitten im laufenden Service, gegen 12.30 Uhr! Die Planung für die Versorgung von rund 800 Personen musste sofort umgestellt werden. Weil wir Reserven eingeplant und im Vorfeld bereits eventuelle Änderungen vorausgesehen hatten, konnten wir schnell reagieren. Innerhalb einer halben Stunde hatten wir die Situation gelöst!
Ein anderes Mal wurde kurzfristig eine Geburtstagstorte für ein Team von rund 80 Personen angefragt. Dank Sieglinde Pircher vom Backatelier „100 Grad“ konnten wir auch hier schnell reagieren. Solche Momente zeigen, wie wichtig Teamarbeit und ein gutes Netzwerk sind – gerade bei einem Event in dieser Größenordnung.
Ein anderes Mal wurde kurzfristig eine Geburtstagstorte für ein Team von rund 80 Personen angefragt. Dank Sieglinde Pircher vom Backatelier „100 Grad“ konnten wir auch hier schnell reagieren. Solche Momente zeigen, wie wichtig Teamarbeit und ein gutes Netzwerk sind – gerade bei einem Event in dieser Größenordnung.
Was war die größte handwerkliche Herausforderung – Temperatur, Mengen, Taktung der Rennzeiten, oder etwas ganz anderes?
Definitiv die Mengen und die Koordination der Mitarbeitenden an den verschiedenen Stationen. Bei mehreren Tausend ausgegebenen Portionen pro Tag entscheidet eine gute Organisation über den Erfolg. Die Rennzeiten gaben den Rhythmus vor. In diesen Zeitfenstern musste alles reibungslos funktionieren. Das bedeutet exakte Vorbereitung, klare Kommunikation und absolute Disziplin im Ablauf.
Beim Event-Catering in diesem Maßstab bleibt oft wenig Raum für Kreativität. Wo hattest du dennoch die Möglichkeit, als Koch eine eigene Handschrift einzubringen?
Im klassischen Sinne ist der kreative Spielraum bei einem Event dieser Größenordnung begrenzt. Trotz einer Reihe von Vorgaben konnten wir im Bereich der regionalen Interpretation Akzente setzen – etwa beim Zusammenstellen der Menüs, durch die Auswahl der Produzent:innen, die Qualität der Rohstoffe und eine saubere, handwerklich präzise Umsetzung. Qualität ist letztlich auch eine Form der Handschrift.
Wie habt ihr Qualitätskontrolle auf diesem Niveau organisiert? Gab es standardisierte Prozesse oder verlässt man sich bei einem so eingespielten Team auf Erfahrung und Vertrauen?
Wir arbeiteten mit klar definierten Prozessen und Standards – Menüpläne,
Bestelllisten, HACCP-Kontrollen, usw. ... Gleichzeitig waren Vertrauen und Zusammenarbeit in einem eingespielten Team entscheidend. Erfahrung, Professionalität und gegenseitige Verlässlichkeit sind bei einem solchen Projekt mindestens so wichtig wie jede Checkliste.
Antholz kennt den Biathlon Weltcup gut, Olympia ist aber Neuland: Was waren die spürbaren Unterschiede in der Atmosphäre, im Druck, in den Anforderungen?
Die Olympische Winterspiele waren in jeder Hinsicht eine andere Dimension als ein Weltcup-Event. Die Dauer der Veranstaltung, die internationale Aufmerksamkeit sowie die Vielzahl an Stationen und Ausgabepunkten haben die Komplexität deutlich erhöht.
Ein wesentlicher Unterschied war zudem das deutlich internationalere und hochrangigere Gästeklientel. Neben Sportler:innen und IOC-Funktionär:innen durften wir Persönlichkeiten wie den schwedischen König Carl XVI Gustaf, den Prinzen von Monaco Albert II oder den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier begrüßen. Darüber hinaus waren italienische und internationale Regierungsvertreter:innen und zahlreiche Sport-Persönlichkeiten vor Ort, Jürgen Klopp zum Beispiel!
Ein wesentlicher Unterschied war zudem das deutlich internationalere und hochrangigere Gästeklientel. Neben Sportler:innen und IOC-Funktionär:innen durften wir Persönlichkeiten wie den schwedischen König Carl XVI Gustaf, den Prinzen von Monaco Albert II oder den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier begrüßen. Darüber hinaus waren italienische und internationale Regierungsvertreter:innen und zahlreiche Sport-Persönlichkeiten vor Ort, Jürgen Klopp zum Beispiel!
Was nimmst du aus diesem Einsatz für deinen normalen Küchenalltag mit?
Vor allem die Erkenntnis, wie entscheidend Struktur, Vorbereitung und Teamführung sind – immer gepaart mit einer gewissen Flexibilität.
Und zum Schluss: Was war ein Moment bei diesen Spielen, den du als Koch nie vergessen wirst?
Unvergessen bleibt für mich der Kontrast zwischen der sportlichen Höchstleistung auf der Strecke und unserer Höchstleistung in der Küche. Während im Stadion um Medaillen gekämpft wurde, haben wir im Hintergrund mit Akribie und Konzentration gearbeitet. Zu wissen, dass unser Beitrag Teil dieses großen Ganzen war, hat mich tief beeindruckt. Dieser Gedanke – ein kleines, aber wichtiges Zahnrad in einem olympischen Gesamtwerk zu sein – bleibt und ist eine Erfahrung, die ich als Koch nie vergessen werde und die mich sehr dankbar macht.
pj
pj

