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Mehr als Statistik

Lebensmittelverschwendung ist ein moralisches Problem

Die Verantwortung dafür tragen Köchinnen und Köche, aber auch Familien zu Hause am Küchentisch.
Auch in Südtirols Küchen, Haushalten und Betrieben wird mehr entsorgt, als uns bewusst ist. FOTO: Coffee-king / Pixabay
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Food Waste Index Report der UN 2024 zeigt ein globales Drama, das wir nicht länger ignorieren dürfen: Jedes Jahr werden über eine Milliarde Tonnen Lebensmittel weggeworfen, während 783 Millionen Menschen weltweit hungern. Das ist nicht nur eine Statistik – das ist ein moralisches Versagen.
Und wir hier in Südtirol sind davon nicht ausgenommen.
Auch in unseren Küchen, Haushalten und Betrieben wird mehr entsorgt, als uns bewusst ist. Die UN-Zahlen bestätigen: 60 Prozent der Verschwendung passiert im Privathaushalt, 28 Prozent in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Das heißt auch: Wir Köchinnen und Köche tragen Verantwortung – aber nicht allein. Lebensmittelverschwendung ist ein gesellschaftliches Problem, das in allen Schichten, Regionen und Küchen stattfindet.
Gleichzeitig belastet jeder weggeworfene Apfel, jede halbe Portion auf dem Teller und jedes falsch kalkulierte Menü unser Klima. Die Emissionen aus verschwendeten Lebensmitteln sind größer als die des globalen Flugverkehrs. Wir reden viel über CO2, über Nachhaltigkeit, über regionale Qualität – aber wir reden zu selten über das, was danach passiert: den Müll.
Als Köchinnen und Köche wissen wir, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Ressourcen in jedem Produkt stecken – vom Bauernhof bis zum Teller. Lebensmittel sind keine Wegwerfware. Sie sind das Ergebnis harter Arbeit, natürlicher Rhythmen und einer Wertschöpfungskette, die Respekt verdient.
Was wir brauchen, ist ein neues Bewusstsein in der gesamten Gesellschaft:
mehr Wissen in den Haushalten
bessere Planung und Portionierung
mehr Mut, Reste kreativ zu verwerten
mehr Unterstützung für Produzenten die regional und nachhaltig arbeiten
und eine Politik, die Anreize schafft,statt nur zu mahnen.
Als Südtiroler Köcheverband - SKV werden wir weiterhin unseren Beitrag leisten – durch Aufklärung und den Dialog mit unseren Mitgliedern. Aber es braucht jede und jeden: von der Gastronomie bis zur Familie daheim am Küchentisch.
Der Food Waste Index Report ist ein Weckruf.
Die Frage ist nicht, ob wir ihn hören. Die Frage ist, ob wir endlich handeln.
KM Patrick Jageregger
SKV-Präsident

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Mit Zucker im Blut und Südtirol im Herzen

Die bewegte Lebensreise des Konditors Josef Raifer – vom Lehrling an der Talferbrücke zum prägenden SKV-Urgestein.
Gottfried und Sepp – FOTO: Privatarchiv - SKV-Bezirk Bozen/Überetsch
Josef Raifer blickt zurück: auf ein Leben geprägt von Leidenschaft, handwerklicher Präzision und Leidenschaft. Der 1944 geborene Konditor aus St. Michael/ Eppan ist dem Südtiroler Köcheverband - SKV eng verbunden – und ebenso seinem geliebten Beruf als Konditor.
Lehrjahre in einer besonderen Zeit
Josef Raifer begann seinen beruflichen Weg im Sommer 1960, mit 16 Jahren, in der Konditorei und Eisdiele Theiner an der Talferbrücke in Bozen. Sein Lehrmeister, Josef Theiner, war eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Autor des kleinsten Kochbuches der Welt und damals größter Eishersteller Südtirols.
Die Berufsschule besuchte Raifer als Kochlehrling in der Romstraße, in der alten Bozner Messe. Drei intensive Lehrjahre später bestand er 1963 erfolgreich die Prüfung.
Aufbruch in die Welt
Nach der Lehrzeit zog es Josef in die Ferne. Ein halbes Jahr arbeitete er in der renommierten Confiserie Pellmond in Basel – ein Betrieb mit höchsten Ansprüchen und ebenso hohen Lebenshaltungskosten. Es folgten zwei Sommersaisonen im Schlosshotel Schenna, wo er als Hotelkonditor täglich Kuchen für die Tagesgäste und feine Desserts für die Hausgäste bereitete. Anschließend sammelte er wertvolle Auslandserfahrung in der Bäckerei-Konditorei Zechmeister in Berchtesgaden am Königssee, bevor er nach rund einem Jahr wieder nach Südtirol zurückkehrte.
Jahre im Hotel Greif – und großes Engagement im SKV
Zwischen 1976 und 1983 arbeitete Josef Raifer im traditionsreichen Hotel Greif in Bozen. Diese Jahre prägten ihn stark – nicht nur beruflich, sondern auch durch seine aktive Rolle im Ausschuss des Südtiroler Köcheverbandes - SKV.
Der SKV-Stammtisch im Schloss Maretsch und die Ausschusssitzungen, die abwechselnd auch privat stattfanden und stets von einer herzhaften „Merenede“ begleitet wurden, gehören zu seinen schönsten Erinnerungen an diese Zeit.
Unvergessen bleiben auch seine großen logistischen Meisterleistungen:
„Einmal hatten wir eine Hochzeit mit 400 Gästen – und alles Mignons!“
Oder die Herausforderung von 1.000 Lunchpaketen für das Krankenhaus Bozen, inklusive gleicher Anzahl an Apfelstrudeln als Dessert.
Vielfältiges Engagement und Wettkampferfahrung
Mehrfach war Raifer aktiv bei der Köchewoche in Auer, zweimal bei der Kochkunstausstellung in Gröden und mehrere Male beim Köcheball in Terlan. Ein besonderes Highlight seines Wirkens war die Teilnahme an der IKA/HOGA an der Seite von Giorgio Nardelli.
Berufswechsel – doch der Liebe zum Handwerk treu
Aus familiären Gründen wechselte Josef später den Beruf. Doch mit dem Herzen blieb er der Konditorei – und der Kochwelt insgesamt – immer eng verbunden.
Sein Blick auf heute – und auf die Zukunft
Josef Raifer betrachtet die Entwicklung des Berufs mit Erfahrung, Gelassenheit und Realitätssinn.
Zur heutigen Ausbildung sagt er:
„Die jungen Leute haben es heute vielleicht leichter – großartige Lehrstellen, tolle Berufsschulen, erfahrene Lehrmeister. Die Herausforderung wird sein, die vielen Nationen und Kulturen in unseren Küchen zu harmonisieren.“
Auch eine Frage beschäftigt ihn:
„Warum sind die Berufsschulen voll – und trotzdem fehlen so viele Arbeitskräfte?“
Zur Zukunft des Berufs meint er:
„Der Kochberuf wird seinen Weg schon gehen – vielleicht wieder etwas bodenständiger. Den Bettenstopp sehe ich positiv, denn so erhalten wir unseren Tourismus und unser Land.“
Ein persönlicher Dank des SKV
Im Namen des gesamten Südtiroler Köcheverbandes - SKV möchte ich mich – als Präsident – herzlich bedanken: Lieber Josef, danke für deine jahrzehntelange Treue, deinen Einsatz, deine Kameradschaft und dein außergewöhnliches Engagement für den SKV. Menschen wie du tragen unseren Verband und prägen dessen Geist – über Generationen hinweg. Patrick Jageregger
Erich Amort / Gottfried Maschler
red / pj