Aktuell
Diplomierte Diätköche

Erfolgreicher Abschluss am Kaiserhof

Absolventinnen und Absolventen bestehen die Diplomprüfung mit Schwerpunkt auf innovativen Kostformen, Demenzernährung und IDDSI-Standards.
vorne v.l.n.r. Anna Gunsch, Sofia Hofer, Julia Kerschbamer, KM Kathrin Spechtenhauser, KM Thomas Kienzl und Peter Felderer; hinten v.l.n.r. KM Andreas Köhne, Alex Unterholzner, Céline Hopfgartner, Anita Niederkofler und Michael Geyr – FOTO: Andreas Köhne
Die Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran gilt seit vielen Jahren als anerkanntes Kompetenzzentrum für Ernährung und Diätetik. Bereits seit über 20 Jahren wird dort mit großem Erfolg die Ausbildung zum/zur Diplomierten Diätkoch/Diätköchin durchgeführt.
Ziel dieser spezialisierten Ausbildung ist es, fundierte ernährungswissenschaftliche Kenntnisse mit praktischen Kochfertigkeiten zu verbinden, um diätetisch angepasste Kostformen professionell und praxisnah umzusetzen. Der Lehrgang wird von anerkannten Ärztinnen und Ärzten, Professorinnen und Professoren, Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie diplomierten Diätköchen und Küchenmeistern begleitet, wodurch ein hoher fachlicher Standard gewährleistet ist.
Ende Januar 2026 fanden die abschließenden Diplomprüfungen statt, an denen acht diätetisch geschulte Köchinnen und Köche erfolgreich teilnahmen. Die Ausbildungsinhalte beschränkten sich nicht nur auf klassische Diätformen, sondern legten einen besonderen Schwerpunkt auf kombinierte Diäten sowie auf krankheitsspezifische Ernährungsformen. Dabei wurden Diäten gezielt an Erkrankungen verschiedener Organsysteme angepasst, um eine bedarfsgerechte und gesundheitsfördernde Ernährung sicherzustellen.
Ein zentraler Bestandteil des Lehrgangs war die neu aufgenommene Kostform für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden, insbesondere im Zusammenhang mit demenziellen Erkrankungen. Menschen mit Demenz sind häufig von Dysphagie betroffen, was das Risiko für Mangelernährung, Dehydratation und Aspiration erheblich erhöht. Ziel der diätetischen Versorgung ist es daher, eine sichere Nahrungsaufnahme zu ermöglichen und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten oder zu verbessern. Dies erfordert nicht nur fundierte Kenntnisse über geeignete Konsistenzen, sondern auch ein hohes Maß an Sensibilität für die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.
Im Rahmen der Ausbildung wurden verschiedene Kostformen bei Schluckstörungen, wie passierte Kost, pürierte Kost, weiche Kost sowie angedickte Flüssigkeiten, sowohl theoretisch als auch praktisch vermittelt. Die Teilnehmenden erarbeiteten einen Wochenplan nach den vorgegebenen IDDSI-Stufen (Internationale Initiative zur Standardisierung der Dysphagie-Diät), den sie anschließend praktisch umsetzten. Ein besonderes Augenmerk lag darauf, die Speisen nicht nur an die erforderlichen Konsistenzen anzupassen, sondern sie auch geschmacklich ausgewogen und optisch ansprechend zu gestalten. Gerade bei Menschen mit Demenz spielt das äußere Erscheinungsbild der Speisen eine wesentliche Rolle, da visuelle Reize den Appetit anregen und zur Akzeptanz der Nahrung beitragen können.
Dabei galt es, Gerichte zu entwickeln, die sowohl ernährungsphysiologisch ausgewogen als auch in ihrer Konsistenz sicher waren. Das kreative Anrichten der Speisen trotz eingeschränkter Texturen stellte einen wichtigen Bestandteil der Ausbildung dar und unterstrich die hohe fachliche Kompetenz der Absolventinnen und Absolventen.
Zusammenfassend zeigt dieser Lehrgang, wie wichtig eine qualifizierte diätetische Ausbildung ist, da eine fachgerecht angepasste Ernährung wesentlich zur Erhaltung der Gesundheit, zur Prävention von Komplikationen und zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt.
Ein großer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten sowie Gertrud Duregger für ihre professionelle Unterstützung und ihr Engagement. Durch ihren Einsatz konnte der Lehrgang erneut erfolgreich durchgeführt werden und leistet einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der diätetischen Versorgung in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen.
Der nächste Lehrgang zum diätetisch geschulten Koch startet im Herbst 2026 an der LHF Kaiserhof.
Weitere Informationen und Infos zu den Anmeldungen erhalten Sie unter 0473 203 205 oder auf der Homepage.
Hier geht es zur Anmeldung

Aktuell
EU–Mercosur-Deal

Globale Märkte, lokaler Druck

Warum die heimische Herkunft jetzt zählt wie nie zuvor. Wie sich das neue Freihandelsabkommen auf Südtirols Gastronomie, Lebensmittelqualität und Produktion auswirkt.
Es war ein politischer Moment mit Ansage – und doch mit enormer Sprengkraft für unsere Branche: Die EU und die Mercosur-Staaten haben sich auf ein weitreichendes Freihandelsabkommen geeinigt, das in den kommenden Jahren die Warenströme zwischen Europa und Südamerika drastisch verändern wird. Offiziell geht es um Wachstum, Exportchancen und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für uns Köchinnen und Köche jedoch geht es um etwas viel Fundamentaleres: um die Frage, welche Lebensmittel wir in Zukunft verarbeiten wollen – und zu welchem Preis.
Denn hinter jedem Freihandelsabkommen steht auch ein unausgesprochener Nebeneffekt: Druck auf die regionalen Produzenten. Und damit letztlich Druck auf jene Qualität, die unsere Küche ausmacht.
Billigere Importe – doch wer trägt die Kosten?
Mit dem geplanten Abbau von Zöllen wird vor allem eines passieren: Produkte wie Rindfleisch, Geflügel und Zuckerrohr werden aus Südamerika deutlich günstiger nach Europa gelangen. Preise, mit denen heimische Erzeuger – die nach strengsten Tierwohl-, Umwelt- und Qualitätsstandards arbeiten – schlicht nicht mithalten können.
Natürlich wird betont, dass Nachhaltigkeitskapitel und Kontrollmechanismen im Vertrag verankert sind. Aber wir wissen alle aus Erfahrung: Je größer der Markt, desto schwieriger die Kontrolle. Der billigere Einkaufspreis verführt.
Doch der wahre Preis wird an anderer Stelle bezahlt – in der Ausdünnung lokaler Landwirtschaft, in der Schwächung regionaler Kreisläufe, in einem Verlust an Herkunftskultur, die Südtirols Küche groß gemacht hat.
Standardisierung oder Identität?
Freihandel hat immer ein Ziel: Warenströme vereinheitlichen. Doch unsere kulinarische Identität lebt nicht von Vereinheitlichung, sondern von Einzigartigkeit. Die Wälder, Wiesen und Höfe Südtirols produzieren keine Massenware. Sie produzieren Charakter.
Fleisch von Tieren, die wir kennen.
Gemüse aus Böden, die wir sehen.
Käse, Wein und Brot, die eine Geschichte erzählen.
Wenn billigere Alternativen auf den Markt drängen, verlieren solche Geschichten an Wert, weil sie mit jedem Preisdumping ein Stück unsichtbarer werden.
Transparenz wird zur Pflicht – Verantwortung auch
Unsere Gäste vertrauen uns. Sie gehen davon aus, dass wir wissen, woher unsere Zutaten stammen – und warum wir sie gewählt haben. Mit dem Mercosur-Deal wird Herkunft noch weniger selbstverständlich. Je globaler der Warenkorb, desto wichtiger ist unsere Rolle als Türhüter zwischen Markt und Teller. Zwischen Politik und Gast. Zwischen Massenware und echter Qualität.
Der wichtigste Satz dieses Artikels
Wenn globale Abkommen die Standards verwässern, müssen wir Köchinnen und Köche die Standards erhöhen. Nicht politisch, sondern praktisch. Indem wir noch bewusster einkaufen. Noch direkter kommunizieren. Noch enger mit unseren Produzentinnen und Produzenten zusammenarbeiten. Denn eines ist klar: Die heimische Landwirtschaft kann bestehen – aber nur, wenn wir uns für sie entscheiden.
Unsere Antwort auf Freihandel: Regional handeln
Es gibt Entwicklungen, die nicht aufgehalten werden können. Aber wir können entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen wollen. Wir können weiterhin mit Produzentinnen und Produzenten im Tal, am Berg oder im Nachbardorf arbeiten. Wir können gemeinsam Wertschöpfung erhalten, Qualität schützen und kulinarische Identität bewahren.
Wir können unseren Betrieben eine Zukunft sichern, indem wir ihnen nicht nur die Treue halten, sondern sie auch aktiv unterstützen – gerade jetzt. Denn wenn eines sicher ist, dann das: Ein Abkommen zwischen Kontinenten darf niemals den Wert dessen schmälern, was direkt vor unserer Haustür wächst, wenngleich für andere Wirtschaftsbereiche wohl auch eine positive Entwicklung zu erwarten ist.
pj