Aktuell
EU–Mercosur-Deal
Globale Märkte, lokaler Druck
Warum die heimische Herkunft jetzt zählt wie nie zuvor. Wie sich das neue Freihandelsabkommen auf Südtirols Gastronomie, Lebensmittelqualität und Produktion auswirkt.

Es war ein politischer Moment mit Ansage – und doch mit enormer Sprengkraft für unsere Branche: Die EU und die Mercosur-Staaten haben sich auf ein weitreichendes Freihandelsabkommen geeinigt, das in den kommenden Jahren die Warenströme zwischen Europa und Südamerika drastisch verändern wird. Offiziell geht es um Wachstum, Exportchancen und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für uns Köchinnen und Köche jedoch geht es um etwas viel Fundamentaleres: um die Frage, welche Lebensmittel wir in Zukunft verarbeiten wollen – und zu welchem Preis.
Denn hinter jedem Freihandelsabkommen steht auch ein unausgesprochener Nebeneffekt: Druck auf die regionalen Produzenten. Und damit letztlich Druck auf jene Qualität, die unsere Küche ausmacht.
Natürlich wird betont, dass Nachhaltigkeitskapitel und Kontrollmechanismen im Vertrag verankert sind. Aber wir wissen alle aus Erfahrung: Je größer der Markt, desto schwieriger die Kontrolle. Der billigere Einkaufspreis verführt.
Doch der wahre Preis wird an anderer Stelle bezahlt – in der Ausdünnung lokaler Landwirtschaft, in der Schwächung regionaler Kreisläufe, in einem Verlust an Herkunftskultur, die Südtirols Küche groß gemacht hat.
Wir können unseren Betrieben eine Zukunft sichern, indem wir ihnen nicht nur die Treue halten, sondern sie auch aktiv unterstützen – gerade jetzt. Denn wenn eines sicher ist, dann das: Ein Abkommen zwischen Kontinenten darf niemals den Wert dessen schmälern, was direkt vor unserer Haustür wächst, wenngleich für andere Wirtschaftsbereiche wohl auch eine positive Entwicklung zu erwarten ist.
pj
Denn hinter jedem Freihandelsabkommen steht auch ein unausgesprochener Nebeneffekt: Druck auf die regionalen Produzenten. Und damit letztlich Druck auf jene Qualität, die unsere Küche ausmacht.
Billigere Importe – doch wer trägt die Kosten?
Mit dem geplanten Abbau von Zöllen wird vor allem eines passieren: Produkte wie Rindfleisch, Geflügel und Zuckerrohr werden aus Südamerika deutlich günstiger nach Europa gelangen. Preise, mit denen heimische Erzeuger – die nach strengsten Tierwohl-, Umwelt- und Qualitätsstandards arbeiten – schlicht nicht mithalten können.Natürlich wird betont, dass Nachhaltigkeitskapitel und Kontrollmechanismen im Vertrag verankert sind. Aber wir wissen alle aus Erfahrung: Je größer der Markt, desto schwieriger die Kontrolle. Der billigere Einkaufspreis verführt.
Doch der wahre Preis wird an anderer Stelle bezahlt – in der Ausdünnung lokaler Landwirtschaft, in der Schwächung regionaler Kreisläufe, in einem Verlust an Herkunftskultur, die Südtirols Küche groß gemacht hat.
Standardisierung oder Identität?
Freihandel hat immer ein Ziel: Warenströme vereinheitlichen. Doch unsere kulinarische Identität lebt nicht von Vereinheitlichung, sondern von Einzigartigkeit. Die Wälder, Wiesen und Höfe Südtirols produzieren keine Massenware. Sie produzieren Charakter.Fleisch von Tieren, die wir kennen.
Gemüse aus Böden, die wir sehen.
Käse, Wein und Brot, die eine Geschichte erzählen.
Wenn billigere Alternativen auf den Markt drängen, verlieren solche Geschichten an Wert, weil sie mit jedem Preisdumping ein Stück unsichtbarer werden.
Transparenz wird zur Pflicht – Verantwortung auch
Unsere Gäste vertrauen uns. Sie gehen davon aus, dass wir wissen, woher unsere Zutaten stammen – und warum wir sie gewählt haben. Mit dem Mercosur-Deal wird Herkunft noch weniger selbstverständlich. Je globaler der Warenkorb, desto wichtiger ist unsere Rolle als Türhüter zwischen Markt und Teller. Zwischen Politik und Gast. Zwischen Massenware und echter Qualität.
Der wichtigste Satz dieses Artikels
Wenn globale Abkommen die Standards verwässern, müssen wir Köchinnen und Köche die Standards erhöhen. Nicht politisch, sondern praktisch. Indem wir noch bewusster einkaufen. Noch direkter kommunizieren. Noch enger mit unseren Produzentinnen und Produzenten zusammenarbeiten. Denn eines ist klar: Die heimische Landwirtschaft kann bestehen – aber nur, wenn wir uns für sie entscheiden.
Unsere Antwort auf Freihandel: Regional handeln
Es gibt Entwicklungen, die nicht aufgehalten werden können. Aber wir können entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen wollen. Wir können weiterhin mit Produzentinnen und Produzenten im Tal, am Berg oder im Nachbardorf arbeiten. Wir können gemeinsam Wertschöpfung erhalten, Qualität schützen und kulinarische Identität bewahren.Wir können unseren Betrieben eine Zukunft sichern, indem wir ihnen nicht nur die Treue halten, sondern sie auch aktiv unterstützen – gerade jetzt. Denn wenn eines sicher ist, dann das: Ein Abkommen zwischen Kontinenten darf niemals den Wert dessen schmälern, was direkt vor unserer Haustür wächst, wenngleich für andere Wirtschaftsbereiche wohl auch eine positive Entwicklung zu erwarten ist.
pj

