Nachlese
Chancen auch für Südtirol

UNESCO-Anerkennung der italienischen Küche

Warum Südtirols alpine-mediterrane Esskultur vom UNESCO-Status der italienischen Küche profitieren kann.
Mit der Aufnahme der italienischen Küche in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes wurde im Dezember 2025 ein historischer Meilenstein für die internationale Kulinarik gesetzt. Erstmals überhaupt wurde die gastronomische Tradition eines Landes in ihrer Gesamtheit gewürdigt – mit all ihren kulturellen, sozialen und handwerklichen Dimensionen.
Auch wenn die UNESCO-Entscheidung formal die italienische Küche betrifft, ist ihre Bedeutung weit darüber hinaus spürbar. Denn Kulinarik entwickelt sich nicht entlang politischer oder geografischer Grenzen, sondern folgt historischen, kulturellen und regionalen Einflüssen. Genau hier eröffnet die Anerkennung wertvolle Chancen für Regionen wie Südtirol, deren Küche sich seit Jahrhunderten im Spannungsfeld alpiner und mediterraner Traditionen entwickelt hat.
Ein Impuls zur Bewusstseinsbildung
Der UNESCO-Status stärkt das internationale Bewusstsein für den Wert traditioneller Esskulturen. Für Südtirol bedeutet dies die Möglichkeit, die eigene kulinarische Identität – geprägt von bäuerlichem Handwerk, alpiner Produktkultur und mediterraner Raffinesse – noch sichtbarer zu machen. Produkte wie Speck, Schüttelbrot oder alpine Kräuter sowie typische Gerichte wie Schlutzkrapfen oder Knödel profitieren indirekt von der erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber traditionellen Küchenstilen.
Gleichzeitig unterstreicht die UNESCO-Entscheidung die Bedeutung von Wissenstransfer, familiären Ritualen, handwerklichem Können und nachhaltigen Produktionsmethoden – alles Werte, die auch in der Südtiroler Küche tief verankert sind.
Südtirol im Dialog mit der italienischen Kulinarik
Die Aufnahme der italienischen Küche macht deutlich, wie stark kulinarische Identität von Austausch und Vielfalt lebt. Südtirol, das historisch und kulturell eine Schnittstelle zwischen Nord und Süd bildet, kann diese Dynamik nutzen, um seine eigene Küche noch stärker als Brücke zwischen Alpenraum und Mittelmeer zu positionieren.
Gerade im internationalen Tourismus eröffnet sich hier enormes Potenzial: Gäste suchen Authentizität, regionale Handschrift und historische Verwurzelung. Die UNESCO-Anerkennung schafft einen zusätzlichen Resonanzboden, auf dem Südtirol seine gastronomischen Stärken präsentieren kann.
Statement des SKV-Präsidenten
„Die UNESCO-Anerkennung der italienischen Küche ist ein starkes Signal für die Bedeutung kulinarischer Traditionen weltweit. Für uns in Südtirol sehe ich darin eine große Chance: Wenn es um Kulinarik geht, gibt es keine starren Landesgrenzen – Geschmack, Handwerk und Kultur fließen über Regionen hinweg. Gleichzeitig ist es aber gerade jetzt wichtig, unsere eigenen kulinarischen Wurzeln und Identitäten zu schützen und weiterzuentwickeln. Die Südtiroler Küche lebt vom Dialog, von Vielfalt und von einem tiefen Bewusstsein für Qualität. Die UNESCO-Entscheidung bestärkt uns darin, diesen Weg weiterhin konsequent zu gehen.“
red

Editorial

Kleine Schubser, große Teller und alles dazwischen

Liebe Köchinnen und Köche,
liebe Freunde der Kochkunst, sehr geehrte Leserschaft,
diese Ausgabe unserer Köchezeitung bringt wieder ordentlich Pepp und Vielfalt auf die Seite: Von sanften Schubsern auf der Speisekarte über Olympiarezeptideen, vom Trendgerät Airfryer bis zum Abschied vom Herd – und mittendrin ein junger Nachwuchskoch, der zeigt, wie frischer Wind unsere Südtiroler Küchen belebt.Nudging ist das Stichwort: Mit cleveren Entscheidungen auf der Karte oder am Buffet lassen sich Gäste zu bewussteren Speisen inspirieren – ganz ohne Verbote, dafür mit jeder Menge Genuss. Unsere Betriebe in Südtirol beweisen, dass ein kleiner Schubs oft viel mehr erreicht als laute Appelle.
Dann geht es sportlich zu: Olympia 2026 steht vor der Tür, und wir werfen einen Blick auf Ernährung und Performance der Spitzensportlerinnen und -sportler. Was können wir daraus für unsere Küchen lernen? Spoiler: Es geht um Timing, Qualität und die richtigen Portionen – nicht nur um Protein-Shakes.
Der Airfryer sorgt in der Profiküche weiterhin für Diskussionen. Trendgerät oder echter Helfer? Wir wägen Vor- und Nachteile ab, zeigen, wo er Sinn macht und wo klassische Geräte einfach unschlagbar bleiben.
Wir feiern außerdem eine Pensionierung vom Herd – mit Geschichten, die an große Momente erinnern – und einen jungen Nachwuchskoch, der beweist, dass Leidenschaft, Kreativität und Bodenständigkeit perfekt zusammenpassen.
Kurz gesagt ist diese Ausgabe ein bunter Mix aus Tradition, Innovation, Genuss und Verantwortung. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und vielleicht auch beim kleinen „Schubs“ für die eigenen Teller.
In persönlicher Wertschätzung
KM Patrick Jageregger
SKV-Präsident