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Südtirols Sterne leuchten heller denn je

Neue Michelin-Sterne und Grüne Sterne zeigen: Kreativität, Spitzenküche und Nachhaltigkeit gehen hier Hand in Hand
Südtirols Gastronomie bleibt auf Erfolgskurs: Der Guide Michelin 2026 setzt die Region einmal mehr ins Rampenlicht. Mit neuen Sternerestaurants, bestätigten Spitzenhäusern und zusätzlichen Grünen Sternen für nachhaltige Spitzenküche zeigt sich: Kreativität, Qualität und Umweltbewusstsein gehen in Südtirol Hand in Hand.
Neue Michelin-Sterne: Junge Talente erobern die Spitze
In diesem Jahr gibt es zwei neue Ein-Sterne-Restaurants in Südtirol:
Porcino, Badia / Gadertal
Quellenhof Gourmetstube 1897, St. Martin / Passeiertal
„Wir wollen unseren Gästen die Region auf höchstem Niveau präsentieren – frisch, authentisch, unverfälscht.“ - Michael Mayr, Küchenchef im Quellenhof
Die etablierten Spitzenhäuser setzen weiterhin Maßstäbe:
Atelier Moessmer, Bruneck – 3 Sterne
Terra – The Magic Place, Sarntal – 2 Sterne
Castel Fine Dining, Dorf Tirol – 2 Sterne
Weitere Ein-Sterne-Restaurants in Südtirol:
Luisl Stube, Algund
Apostelstube, Brixen
Kuppelrain, Castelbello
La Stüa de Michil-Simone Cantafio, Corvara
Tilia, Toblach
Sissi, Meran
In Viaggio – Claudio Melis, Meran
Prezioso, Meran
Gourmetstube Einhorn, Mauls
Johannesstube, Welschnofen
Anna Stuben, St. Ulrich / Gröden
Zur Rose, St. Michael / Eppan
Osteria Acquarol, St. Michael / Eppan
Alpenroyal Gourmet, Wolkenstein
Suinsom, Wolkenstein
Schöneck, Mühlen / Pfalzen
Nachhaltigkeit im Rampenlicht: die Grünen Sterne
Neben klassischen Sternen gewinnen die Grünen Sterne weiter an Bedeutung. Sie zeichnen Küchenchefs aus, die kulinarische Spitzenleistung mit nachhaltigem Wirtschaften verbinden.
In Südtirol gab es 2026 zwei neue Grüne Sterne:
Kircherhof, Albeins
Johanns, Mühlen in Taufers
Diese Auszeichnungen ehren Küchen, die regionale Zutaten, kurze Lieferketten, Ressourcenschonung und Umweltbewusstsein in den Mittelpunkt stellen. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern Verantwortung“, betont Tina Marcelli Küchenchefin von JOHANNS Fine Dining, Mühlen in Taufers.
Bereits bestehende Grüne Sterne in Südtirol:
Atelier Moessmer, Bruneck
Terra – The Magic Place, Sarntal
Restaurant 1908 (Parkhotel Holzner), Oberbozen
Lerchner’s, Runggen / St. Lorenzen
Zum Hirschen, Jenesien
Ein Signal für die gesamte Branche
Die neuen Sterne sind mehr als Auszeichnungen: Sie inspirieren junge Talente, stärken etablierte Häuser und zeigen Gästen die kulinarische Vielfalt Südtirols. Kreativität, Qualität und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand – und machen die Region zu einem der spannendsten kulinarischen Ziele Europas.
Südtirol 2026
Hier treffen Tradition und Innovation, Natur und Luxus aufeinander – und die Sterne leuchten heller denn je.
red / pj

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Storytelling in der Küche

Kunst oder Verkaufsmasche?

Warum nicht jede Story schmeckt und wann Köchinnen und Köche auf die Nase fallen, wenn sie Geschichten erfinden.
FOTO: Pexels
Es ist überall: Storytelling. In Menükarten, auf Instagram, bei Produktpräsentationen – und fast jeder redet darüber, als wäre es das geheime Gewürz der modernen Gastronomie. Doch mal ehrlich: Wie viel davon ist wirklich echte Geschichte, und wie viel ist Marketing-Kitsch?
Storytelling verspricht, Emotionen zu wecken, Gäste zu fesseln und Produkte zu verkaufen. Wissenschaftlich untermauert: Menschen erinnern sich an Geschichten deutlich besser als an Fakten. Perfekt also, könnte man denken, um ein Gericht, ein Produkt oder ein Restaurant unvergesslich zu machen. Doch hier liegt die Gefahr: Wer Geschichten nur erfindet, um zu verkaufen, riskiert eines – dass die Gäste es merken. Sie sind informiert, kritisch und haben ein feines Gespür für Authentizität. Und plötzlich wirkt das hübsch verpackte Storytelling wie ein billiger Trick.
Köchinnen und Köche stehen damit vor einer spannenden Gratwanderung: Verkaufen wir Essen oder nur Geschichten? Ein Beispiel: Ein lokaler Käse, dessen Geschichte von einem traditionsbewussten Bauern erzählt wird, der seine Tiere liebevoll hält und das Handwerk versteht, kann ein Gericht zum Erlebnis machen. Echt, nachvollziehbar und emotional. Dasselbe Produkt mit einer erfundenen Story über „versteckte Bergwiesen und geheime Familienrezepte“ wirkt schnell aufgesetzt und hohl. Die Gäste merken den Unterschied.
Und noch etwas: Storytelling ist kein Freifahrtschein für Nachlässigkeit. Wer nur Geschichten erzählt und das Handwerk oder die Qualität dahinter vernachlässigt, wird entlarvt. Die Worte schmecken dann nach heißen Luftballons, die beim ersten Biss platzen.
Die Provokation für Köchinnen und Köche lautet also: Legt eure Geschichten nicht über das Produkt, sondern daneben. Erzählt von der Herkunft, der Philosophie und den Menschen hinter euren Zutaten – aber nur, wenn es stimmt. Nutzt Storytelling als Rahmen, der echte Qualität sichtbar macht, nicht als Schminke für ein mittelmäßiges Gericht.
Am Ende verkaufen nicht die Geschichten selbst, sondern das, was der Gast wirklich schmeckt, fühlt und erlebt. Storytelling ist nur der Verstärker, das Bühnenlicht, das das Produkt ins rechte Licht rückt. Wer das kapiert, kann selbst einfache Zutaten in ein unvergessliches Erlebnis verwandeln. Wer es nicht kapiert, bleibt bei hübschen Worten – und bei Gästen, die schon beim ersten Bissen wissen, dass sie gerade veräppelt werden.
pj