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Gault&Millau

Peter Girtler – Südtirols „Koch des Jahres 2026“

Ein Meister der leisen Töne mit großer Strahlkraft
Peter Girtler – FOTO: © Gault&Millau / Barbara Eidler - Ster
Wenn von kulinarischer Exzellenz in Südtirol die Rede ist, fällt ein Name immer wieder ganz vorne: Peter Girtler. Nun hat ihn Gault&Millau mit einer der bedeutendsten Ehrungen ausgezeichnet – dem Titel „Koch des Jahres 2026“. Eine Auszeichnung, die nicht nur seine jahrzehntelange Präzision und Kreativität würdigt, sondern auch den Stellenwert unterstreicht, den Südtirols Küche international genießt.
Ein Traum von einem Dessert – FOTO: Fotos: Romantikhotel Stafler
Seit vielen Jahren prägt Girtler als Küchenchef die Gourmetstube Einhorn im Romantik Hotel Stafler in Mauls – ein Ort, an dem alpine Tradition auf elegante, moderne Handschrift trifft. Girtlers Stil ist klar: reduzierte Aromatik, präzise Techniken, kompromisslose Produktqualität. Doch seine wahre Stärke liegt in etwas, das man nicht lernen kann: der Fähigkeit, Gerichte still, aber eindringlich erzählen zu lassen.
Der heute 52-Jährige hat seine Wurzeln in Sterzing und seine Fähigkeiten auf Stationen wie der Residenz Heinz Winkler, dem Hotel Castel und dem Parkhotel Laurin verfeinert, bevor er im Stafler eine kulinarische Identität schuf, die mittlerweile weit über Südtirol hinaus bekannt ist. Die Gourmetstube ist bewusst klein gehalten – ein intimer Rahmen, in dem Girtler seine Handschrift kompromisslos ausleben kann.
Die Auszeichnung von Gault&Millau kommt nicht überraschend, aber sie ist ein starkes Signal: Südtirol gehört zur Spitze der europäischen Kulinarik – und Köche wie Peter Girtler tragen diese Entwicklung. In einer Zeit, in der sich viele Küchenrichtungen rasant verändern, bleibt Girtler authentisch und zugleich innovativ. Seine Gerichte sind keine lauten Statements, sondern fein abgestimmte Kompositionen, die die Essenz Südtriols auf den Punkt bringen.
Für den Südtiroler Köcheverband - SKV ist diese Ehrung ein Grund zur besonderen Freude. Sie zeigt jungen Köchinnen und Köchen, dass Spitzenküche nicht nur in Großstädten entsteht, sondern dort, wo Leidenschaft, Fleiß und Identität Hand in Hand gehen. Girtler ist damit nicht nur ein Aushängeschild der Südtiroler Gastronomie, sondern auch ein inspirierendes Vorbild für die neue Generation.
Mit dem Titel „Koch des Jahres 2026“ setzt Peter Girtler ein starkes Zeichen – für Qualität, für Südtirol und für eine Küchenphilosophie, die nicht schreit, sondern glänzt.
red / pj

Kochkunde
Mirepoix

Von der Zitronen-Essenz zum Aromafundament

Wie aus einfachen Würfeln Gemüse die Grundlage für Saucen, Fonds und Schmorgerichte wurde.
FOTO: Pixabay
In der Küche gilt: Aromatische Grundlagen sind entscheidend. Das Mirepoix ist dabei ein Klassiker – zumindest in der heutigen Form. Doch wussten Sie, dass es im 18. Jahrhundert auch Zitronenfleisch enthielt? Und dass Stangensellerie darin nichts verloren hatte?
Was ist ein Mirepoix?
Heute verstehen die meisten Köchinnen und Köche unter Mirepoix eine Mischung aus Wurzel- und Knollengemüse, klassisch Zwiebeln, Karotten, Knollensellerie oder Petersilienwurzel, manchmal auch Knoblauch. Lauch wird eher selten verwendet, da er beim Anbraten Bitterstoffe entwickelt. Die Würfelgröße richtet sich nach der geplanten Garzeit – eine gängige Orientierung ist der Daumennagel.
Je nach Zubereitung entfaltet das Mirepoix seine Aromen unterschiedlich: schwach andünsten, in Fett anrösten oder trocken rösten, bevor Farbe entsteht – jede Methode liefert einen eigenen Geschmack, passend für Fonds, Saucen oder Schmorgerichte.
Die historische Variante
Die moderne Röstgemüsemischung spiegelt nur geringfügig wider, was Mirepoix einst war. Historisch wird es mit dem Herzog von Mirepoix, Gaston Pierre de Lévis (1699–1757), verbunden, dessen Koch die Methode dokumentiert anwandte.
Aufzeichnungen von Marie-Antoine Carême (1833) zeigen, dass das ursprüngliche Mirepoix nicht nur Gemüse, sondern auch Kalbfleisch, Bayonner Schinken, Champignons und das filetierte Fleisch von Zitronen enthielt. Das Ganze wurde in Butter angeschwitzt, mit Weißwein und Brühe abgelöscht und stundenlang sanft gekocht, anschließend durch ein Passiertuch gepresst. Die so entstandene Essenz diente als Basis für Saucen und Vorspeisen.
Auch Auguste Escoffier (1903) beschreibt das feine Mirepoix als aromagebendes Gemüsewürfel, oft mit Schinken oder Speck, das vorsichtig in Butter gedünstet wird, um Fonds oder Saucen Geschmack zu verleihen.
Interessant: Was nie in ein klassisches Mirepoix gehört, ist Stangensellerie
Stangensellerie gehört nicht ins klassische Mirepoix, da er den feinen, harmonischen Geschmack von Zwiebel, Karotte und Knollensellerie überdeckt und historisch in diesen Rezepten nie verwendet wurde.
Von der Essenz zum Küchen-Alltag
Ob historische Zitronen-Variante oder moderne Gemüse-Röstung: Mirepoix ist heute unverzichtbar in der Profi-Küche. Es bildet das Aromafundament für Fonds, Suppen, Schmorgerichte und Saucen, lässt sich flexibel anpassen und zeigt eindrucksvoll, wie aus simplen Zutaten Geschmackstiefe entsteht.
Mirepoix ist weit mehr als nur gewürfeltes Gemüse – es ist ein Stück Küchengeschichte, eine Aromabasis und heute ein unverzichtbarer Helfer für jede Profi-Küche. Wer sich auf historische Quellen beruft, staunt über Zutaten wie Zitronenfleisch, wer die moderne Praxis kennt, schätzt die Vielseitigkeit und Flexibilität der Würfelmischung.
pj